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Petition: Gegen die Diskriminierung und den Boykott der israelischen Wissenschaftlerin Dr. Rotem Zelingher aufgrund ihrer Staatsangehörigkeit


    Das Netzwerk Jüdischer Hochschullehrender unterstützt folgende Petition. Wenn Sie diese Petition ebenfalls mit Ihrer Unterschrift unterstützen möchten, können Sie dies hier tun: https://docs.google.com/forms/d/e/1FAIpQLScL_8941-vwDrlum0B9U1jGM9UsXpduxTego1HkKkBxwYD65Q/viewform


    25. April 2026

    An: Die Leitung des International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA), das deutsche  Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) sowie das österreichische  Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung (BMFWF).

    Wir, die Unterzeichnenden, sind zutiefst besorgt über die dokumentierten Vorgänge am International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA) in Laxenburg. Der Fall der israelischen Wissenschaftlerin Dr. Rotem Zelingher wirft erhebliche Fragen hinsichtlich Diskriminierung in der internationalen Forschungslandschaft auf, insbesondere im Hinblick auf die Ausgrenzung und Diffamierung von Forschenden aufgrund ihrer Staatsangehörigkeit.

    HINTERGRUND

    Im April 2024 veröffentlichte Dr. Rotem Zelingher, eine ausgewiesene Ökonomin, ein Policy Brief auf Grundlage ihrer Forschung zur Ernährungssicherheit im Gazastreifen (IIASA Policy Brief Nr. 43,1). Die Veröffentlichung dieses Beitrags, der die Preisentwicklung von Nahrungsmitteln in Gaza und im Westjordanland seit 2007 analysiert, wurde von einer Reihe öffentlicher und institutioneller Maßnahmen begleitet, die ihre Arbeit und ihre berufliche Integrität in Frage stellten:

    1. Öffentliche Stigmatisierung: Kolleginnen und Kollegen bezeichneten sie öffentlich als „Zionistin“, warfen ihr vor, „Genozid zu normalisieren“, und verwendeten diskriminierende Bezeichnungen wie „white tears of zios“.2
    2. Staatsangehörigkeit als „Interessenkonflikt“: Neun Kolleginnen und Kollegen reichten eine formelle Beschwerde beim IIASA Committee on Ethics and Research Integrity ein. Darin wurde die Entfernung ihrer Arbeit gefordert und ausdrücklich argumentiert, dass Aussagen einer „israelischen Staatsangehörigen“ grundsätzlich als potenzielle Propaganda zu betrachten seien.3
    3. Institutionelles Versagen: Auf Grundlage dieser Beschwerde, die explizit auf die Staatsangehörigkeit der Autorin Bezug nahm, wurde ein Ethikverfahren eingeleitet. Im Verlauf dieses Verfahrens wurden offenbar zentrale Verfahrensgrundsätze verletzt, darunter Vertraulichkeitsregeln und das Recht auf Anhörung.4 Das Policy Brief wurde von der Website des IIASA entfernt, und das Institut veröffentlichte einen beispiellosen Disclaimer, der die Qualität und Integrität der Forschung in Zweifel zog.

    Obwohl das Ethikkomitee im November 2024 zu dem Schluss kam, dass kein wissenschaftliches Fehlverhalten vorlag, und die Arbeit seither auf mehreren internationalen Fachkonferenzen präsentiert sowie auch in einer begutachteten Fachzeitschrift veröffentlicht wurde5, hat das Institut bis heute (zwei Jahre nach den ersten Vorfällen) keine angemessene öffentliche Rehabilitierung vorgenommen. Dieses Versäumnis hat, zusammen mit dem feindlichen Arbeitsumfeld, erheblichen beruflichen und persönlichen Schaden verursacht und Dr. Zelingher letztlich dazu gezwungen, ihr Marie-Skłodowska-Curie-Stipendium an eine andere Institution zu verlegen. Die Übertragung des Grants war von Hindernissen seitens des Instituts geprägt, die ihre Forschung faktisch von Beginn ihres Fellowships an und über die gesamte Dauer untergruben.

    WARUM DIES UNS ALLE BETRIFFT

    Wenn die Staatsangehörigkeit einer Forscherin oder eines Forschers als relevantes Kriterium für die Bewertung wissenschaftlicher Arbeit herangezogen wird, ist die Wissenschaftsfreiheit insgesamt gefährdet. Dies steht in klarem Widerspruch zu den Prinzipien von „Equality, Diversity, Tolerance and Inclusion“, zu denen sich das IIASA in seinen Gleichstellungsplänen und Stellenausschreibungen ausdrücklich bekennt.6

    Darüber hinaus haben Expertinnen und Experten darauf hingewiesen, dass ein solches Vorgehen gegen die IHRA-Arbeitsdefinition von Antisemitismus verstößt, insbesondere durch die Anwendung von doppelten Standards gegenüber israelischen Forschenden.7  Da das IIASA unter anderem öffentlich durch die USA, Israel, Deutschland und Österreich finanziert wird8, tragen seine Leitung sowie die fördernden Institutionen eine unmittelbare Verantwortung dafür, Mitarbeitende vor Diskriminierung zu schützen.

    UNSERE FORDERUNGEN

    • Formelle Entschuldigung: Eine formelle Entschuldigung der IIASA-Leitung gegenüber Dr. Rotem Zelingher für den erlittenen psychischen, gesundheitlichen und beruflichen Schaden.
    • Vollständige Rehabilitierung: Die Wiederherstellung ihrer Arbeit auf der Website des Instituts ohne diskreditierende Hinweise sowie eine transparente öffentliche Kommunikation, die ihre vollständige Entlastung bestätigt.
    • Transparenz: Eine unabhängige externe Untersuchung darüber, warum eine Beschwerde, die maßgeblich auf der Staatsangehörigkeit der Autorin basierte, überhaupt ein formelles Ethikverfahren auslösen konnte.
    • Schutz vor Diskriminierung: Die Einführung verbindlicher Regelungen, die sicherstellen, dass Herkunft oder Staatsangehörigkeit weder explizit noch implizit als Grundlage für die Infragestellung wissenschaftlicher Integrität oder für Ethikverfahren genutzt werden können.

    Wissenschaftliche Arbeit muss ausschließlich nach Maßstäben der fachlichen Qualität und methodischen Strenge bewertet werden, unabhängig von der Staatsangehörigkeit der Forschenden. Die oben geschilderten Entwicklungen sind zutiefst besorgniserregend, da sie auf eine mögliche Erosion dieses Grundprinzips hindeuten und die Gefahr bergen, einen Präzedenzfall zu schaffen, der die Integrität wissenschaftlicher Begutachtung sowie die Glaubwürdigkeit von Forschungseinrichtungen untergräbt. Die Wahrung dieser Standards gehört zu den zentralen Aufgaben der wissenschaftlichen Gemeinschaft.

    Initiatoren:

    Univ. Prof. Dr. Jesus Crespo Cuaresma
    Dr. Sebastian Poledna


    1. R. Zelingher, “Food insecurity in the Gaza Strip: An urgent priority with deep roots,” April 2024. [Online]. Available: https://drive.google.com/file/d/1i09hRcLarpc-aUdf-gn-6npjzdhvAzJI/view?usp=drive_link   ↩︎
    2. Posts by IIASA Colleague [Online]. Available: https://drive.google.com/file/d/1LDPbUsjBM2X9s5sYbZVb7uMwDrEj1QmA/view?usp=drive_link  ↩︎
    3. Formal complaint to the Committee on Ethics and Research Integrity, 22 May 2024. [Online]. Available: https://drive.google.com/file/d/1Hp2MMiq1Bfstt6WQy9v4A2XRy_8xzP2h/view?usp=drive_link   ↩︎
    4. R. Zelingher, “Formal Complaint,” 6 June 2024. [Online]. Available: https://drive.google.com/file/d/1D0U92A9-Emw5YEaH-1E3xALnOJGDWneg/view?usp=drive_link  ↩︎
    5. Zelingher, R. and Crespo Cuaresma, J. “Commentary: From acute food insecurity to famine: how the 2023/2024 war on Gaza has dramatically set back sustainable development goal 2 to end hunger,” Frontiers in Sustainable Food Systems, vol. 8, 2024. ↩︎
    6. IIASA, “IIASA core values and Gender Equality Plan,” [Online]. Available: https://iiasa.ac.at/employment/iiasa-core-values-and-gender-equality-plan   ↩︎
    7. IHRA, “Arbeitsdefinition von Antisemitismus,” [Online]. Available: https://holocaustremembrance.com/resources/working-definition-antisemitism  ↩︎
    8. IIASA, “International Institute For Applied Systems Analysis, Tax Filings by Year,” [Online]. Available: https://projects.propublica.org/nonprofits/organizations/980036445 ↩︎

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