Universität Bayreuth
Universitätsstraße 30
95447 Bayreuth
z.Hd.
Professor Dr. Dr. h.c. Stefan Leible , Präsident der Universität Bayreuth
Dr. Stefan Kurth, Antisemitismusbeauftragte der Universität Bayreuth
Dr. Ludwig Spaenle, Beauftragter der Bayerischen Staatsregierung für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus
18.11.2025
Offener Brief zur geplanten Veranstaltung „Women and the 1. Intifada – Naila and the uprising“ am 23. November – Ersuchen um sofortige inhaltliche und sicherheitsrechtliche Prüfung
Sehr geehrte Herren,
wir, der Vorstand des Netzwerks Jüdischer Hochschullehrender (NJH), wenden uns mit Nachdruck an Sie und bitten um eine sorgfältige Überprüfung der für den 23. November im Glashaus Ihrer Universität geplanten Veranstaltung „Women in the 1. Intifada: Naila and the Uprising“.[1] Wir ersuchen, die Durchführung bis zu einer abschließenden Prüfung auszusetzen.
Die Veranstaltung, bestehend aus Filmvorführung und anschließender Diskussion, ist Teil einer Reihe von Veranstaltungen an Ihrer Universität in diesem Jahr, die von der Universitätsgruppe „The Olive Branch“ organisiert wurden. Diese Veranstaltungen waren in der Vergangenheit durchaus einseitig. Die Veranstaltung am 08.02.2025 wurde von RIAS als antisemitisch bewertet, und zum Podium gehörte ein Sprecher der „Jüdischen Stimme für gerechten Frieden in Nahost“, die vom BfV beobachtet wird.[2]
Wir bewerten die kommende Veranstaltung als problematisch und potenziell gefährlich für jüdische Angehörige sowie für das akademische Klima.
1. Verzerrung und Verleugnung der Realität
Die Erste Intifada (1987–1993) war geprägt von Anschlägen durch Organisationen, die in Deutschland als terroristisch eingestuft und verboten sind, darunter Hamas, Islamischer Dschihad und PFLP. Die geplante Veranstaltung stellt die Intifada jedoch als „legitimen Volkswiderstand“ dar und blendet dabei die zentrale Rolle palästinensischer Terroranschläge vollständig aus.
Die Hamas-Charta von 1988, die die ideologische Grundlage eines wesentlichen Teils der Gewalt während der Intifada bildet, basierte auf radikal-islamistischer, antisemitischer und antiwestlicher Ideologie. Dort wurde das Ziel der Vernichtung Israels eindeutig formuliert, etwa im Satz: „Israel wird bestehen und weiterbestehen, bis der Islam es auslöscht – so wie er schon andere vor ihm ausgelöscht hat.“ [3] Die Verleugnung dieser historischen Realität missachtet das Leid und die Würde der Opfer und führt zu einer groben Verzerrung der tatsächlichen Ereignisse.
Bayerns Justizminister Georg Eisenreich betonte wiederholt die Notwendigkeit, Sympathiewerbung für terroristische Vereinigungen konsequent zu unterbinden [4]. Eine Veranstaltung, die etwa die RAF als „legitimen Widerstand“ darstellen würde, wäre an einer deutschen Universität undenkbar. Entsprechend problematisch ist eine positive oder verharmlosende Darstellung terroristischer Akteure der Ersten Intifada. Die geplante Veranstaltung, wie auch ähnliche frühere Veranstaltungen, bietet ausschließlich palästinensische Perspektiven, teilweise mit deutlich aktivistischer und antisemitischer Ausrichtung.
2. Fürsorgepflicht der Universität Bayreuth Jüdische Studierende und Lehrende berichten wiederholt, dass sie sich durch Veranstaltungen dieser Art bedroht oder eingeschüchtert fühlen. Das Hausrecht der Universität, als Teil der Schutzpflicht gegenüber allen Angehörigen der Hochschule (§§ 241 BGB), umfasst insbesondere die Verantwortung, Bedrohungen oder Einschüchterungen von Studierenden und Mitarbeitenden zu verhindern. Daraus ergibt sich die Pflicht, die Nutzung der Räumlichkeiten zu kontrollieren und zu prüfen, ob eine geplante Veranstaltung dieser Fürsorgepflicht entspricht.
So wie Veranstaltungen, die bei Frauen oder LGBTQ+-Personen Gefühle von Bedrohung oder Unsicherheit auslösen könnten, als unzulässig gelten würden, müssen nach der Fürsorgepflicht der Universität auch jüdische und israelische Angehörige vor Veranstaltungen geschützt werden, die für sie eine vergleichbare Gefährdungslage schaffen.
3. Sicherheitsrelevanz
Gruppierungen und Veranstaltungen, die verzerrte Inhalte verbreiten oder über soziale Medien teilen, können problematische Kreise anziehen und zu Hetze führen. In den vergangenen Monaten kam es an deutschen Universitäten wiederholt zu antisemitischen Vorfällen, was die Notwendigkeit einer sicherheitsbehördlichen Prüfung solcher Veranstaltungen deutlich unterstreicht.
Unsere Bitten und Forderungen:
- Die geplante Veranstaltung sowie vergleichbare Veranstaltungen sollten bis zu einer abschließenden Prüfung hinsichtlich Inhalt, antisemitismuskritischer Perspektive, möglicher Israelfeindlichkeit, rechtlicher Relevanz und Sicherheitsaspekten ausgesetzt werden.
- Prüfen Sie die öffentlichen Äußerungen der eingeladenen Referentinnen und Referenten auf Verbindungen zu terroristischen Organisationen sowie auf antisemitische Inhalte, insbesondere israelbezogenen Antisemitismus.
- Sollte sich der Verdacht extremistischer oder einseitiger Inhalte, Hetze bzw. der Verdacht einer Verletzung der Fürsorgepflicht der Universität gegenüber ihren jüdischen Studierenden und Lehrenden bestätigen, bitten wir um ein Verbot der Veranstaltung.
Wir stehen jederzeit für Rückfragen oder ein kurzfristiges Gespräch zur Verfügung.
Vorstand des Netzwerks jüdischer Hochschullehrender e.V. Prof. Dr. Julia Bernstein
Prof. Dr. Julia Bernstein
Prof. Roglit Ishay
Dr. Ilja Kogan
- https://www.glashaus.org/programm/intersectional-feminist-movie-night-naila-and-the-uprising
- https://www.br.de/nachrichten/bayern/antisemitismus-uni-veranstaltung-beschaeftigt-staatsanwaltschaft,U4GTz6N
- https://avalon.law.yale.edu/20th_century/hamas.asp
- https://www.justiz.bayern.de/presse-und-medien/pressemitteilungen/archiv/2023/192.php