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Offener Brief zur geplanten Veranstaltung „The Targeting of the Palestinian Academia“ am 28. November

    An
    Dr. Ludwig Spaenle, Antisemitismusbeauftragter der Ludwig-Maximilians-Universität München
    Prof. Dr. Markus Maier, Beauftragter der Bayerischen Staatsregierung für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus
    Prof. Dr. Matthias Tschöp , Präsident der Ludwig-Maximilians-Universität München

    13.11.2025

    Offener Brief zur geplanten Veranstaltung „The Targeting of the Palestinian Academia“ am 28. November – Ersuchen um sofortige inhaltliche und sicherheitsrechtliche Prüfung

    Sehr geehrte Herren,

    als Netzwerk Jüdischer Hochschullehrender (NJH) wenden wir uns mit der dringenden Bitte an Sie, die für den 28. November am Institut für den Nahen und Mittleren Osten angekündigte Veranstaltung „The Targeting of the Palestinian Academia“ einer umfassenden Prüfung zu unterziehen und bis dahin auszusetzen.

    Wir haben eine Reihe öffentlich zugänglicher Informationen, Screenshots, Zitate und Social- Media-Beiträge zusammengetragen, die auf erhebliche Probleme im Hinblick auf Wissenschaftlichkeit, Sicherheitslage und mögliche antisemitismusrelevante Inhalte hinweisen.

    Die beigefügten Beispiele stellen lediglich einenAusschnitt dar; weitere Belege können jederzeit nachgereicht werden.

    1. Problematische Ausrichtung der Veranstaltung

    Schon der Titel des Seminars („The Targeting of the Palestinian Academia“) setzt ein klares politisches Framing und formuliert eine Behauptung, keine wissenschaftliche Fragestellung. Die angekündigten Vorträge tragen ebenfalls eindeutig aktivistische oder juristisch aufgeladene Titel, darunter:

    • Carceral Regime and Prisoners”
    • Scholasticide in Gaza: Challenges and Resilience of Academic Institutions”
    • Scholasticide by Law”
    • Israel’s Carceral Regime and Relentless Violence”

    Diese Terminologie ist emotional aufgeladen, wird in Teilen von extremismennahen Kampagnen verwendet und ist als wissenschaftlicher Fachbegriff nicht etabliert. Sie legt einseitige Schuldzuweisungen fest („relentless violence“, „scholasticide“) und schließt eine ausgewogene Analyse bereits im Titel aus.

    2. Fehlende wissenschaftliche Balance

    Die gesamte Veranstaltung ist ausschließlich mit palästinensischen Referenten besetzt, teilweise mit offener politischer Agenda. Es fehlt jegliche andere israelische oder internationale forschungsbasierte Perspektive. Damit ist der wissenschaftliche Mindeststandard eines multiperspektivischen Diskurses klar verfehlt.

    3. Öffentliche Äußerungen geladener Personen

    Nachweislich existieren öffentliche Beiträge einzelner Referenten, in denen:

    • Hamas bzw. PFLP positiv erwähnt oder als legitime Akteure dargestellt werden,
    • Israel wiederholt eines „Genozids“ bezichtigt wird,
    • israelische Bürger und jüdische Menschen kollektiv als Täter adressiert werden.

    Wir weisen darauf hin, dass Hamas und PFLP in der EU als terroristische Organisationen eingestuft sind. Sympathiewerbung oder verharmlosende Darstellungen können strafrechtlich relevant sein (vgl. §§ 129a/b StGB).

    4. Vereinbarkeit mit geltendem Recht und IHRA-Definition

    Wir bitten eindringlich um Prüfung, ob die Inhalte und Formulierungen der Veranstaltung:

    • mit der IHRA-Arbeitsdefinition des Antisemitismus vereinbar sind,
    • dem BayHIG entsprechen (insbesondere dem Auftrag zur Sicherstellung eines diskriminierungsfreien, sicherheitsbewussten universitären Umfelds),
    • eine mögliche Relevanz nach BayVersG oder anderen Normen des öffentlichen Sicherheitsrechts besitzen.

    Mehrere Titel und Aussagen erfüllen bereits formale Kriterien für anti-israelische Formen des Antisemitismus gemäß IHRA.

    5. Fürsorgepflicht der LMU gegenüber jüdischen Studierenden und Beschäftigten

    Wir erhalten vermehrt Rückmeldungen jüdischer Studierender und Lehrender, die Veranstaltungen dieser Art als bedrohlich und einschüchternd erleben. In der aktuellen Sicherheitslage ist die LMU verpflichtet, ein Umfeld zu gewährleisten, das nicht zur Normalisierung extremismennaher Narrative oder zur Delegitimierung jüdischen Lebens beiträgt.

    6. Sicherheitstechnische Relevanz

    Veranstaltungen mit Referenten, die extremismennahe Inhalte verbreiten oder diese in sozialen Medien teilen, sind erfahrungsgemäß geeignet, problematische Gruppierungen anzuziehen. Gerade an Universitäten kam es in den vergangenen Monaten bundesweit zu massiven antisemitischen Ausschreitungen – daher ist eine sicherheitsbehördliche Einordnung zwingend.

    Unsere Bitten und Forderungen:

    1. Setzen Sie die Veranstaltung bis zum Abschluss einer inhaltlichen antisemitismuskritischen, rechtlichen und sicherheitsbehördlichen Prüfung aus.
    2. Prüfen Sie sorgfältig die öffentlichen Äußerungen der eingeladenen Referenten auf terroristiknahe Bezüge, antisemitismusrelevante Inhalte und Verstöße gegen die Wissenschaftspflicht.
    3. Sollte sich der Eindruck extremistennaher, einseitiger oder delegitimierender Inhalte bestätigen, ersuchen wir um Untersagung der Veranstaltung.

    Beigefügte Beispiele (Auszug):

    • Offizielle Ankündigung der LMU-Veranstaltung
    • Screenshots und Links zu öffentlichen Aussagen der Referenten (Hamas/PFLP-Bezüge, Genozid-Rhetorik)
    • Artikelpassagen über Verbindungen einzelner Referenten zu politisch extremistischenstudentischen Gruppierungen
    • Social-Media-Posts, die eine aktivistische bzw. extremismennahe Ausrichtung dokumentieren

    Wir stehen jederzeit für Rückfragen, ein kurzfristiges Gespräch sowie die Lieferung weiterer Belege zur Verfügung.

    Vorstand des Netzwerks jüdischer Hochschullehrender e.V. Prof. Dr. Julia Bernstein

    Prof. Dr. Julia Bernstein
    Prof. Roglit Ishay
    Dr. Ilja Kogan


    Beigefügte/ verlinkte Beispiele (Auszug):


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