Universität Hamburg
Herrn Präsident
Prof. Dr. Hauke Heekeren
Präsidium
Forum für internationale Solidarität in der Wissenschaft
Frankfurt am Main, 13.01.2026
Antisemitischer Vortrag an Ihrer Universität vom 6. Januar 2026
Sehr geehrter Herr Präsident Prof. Dr. Hauke Heekeren,
sehr geehrte Damen und Herren Vizepräsidentinnen und Vizepräsidenten,
sehr geehrter Herr Lütten,
sehr geehrter Herr Muhl,
sehr geehrter Herr Dr. Wilkens vom Forum für internationale Solidarität in der Wissenschaft,
Am 6. Januar 2026 fand im Rahmen der öffentlichen Ringvorlesung „Israel, Palästina und Deutschland – zwischen Menschenrechten und ‚Staatsräson‘“ an der Universität Hamburg ein Vortrag von Prof. Dr. em. Norman Paech und Dr. Ammar Bustami unter dem Titel „Deutschland und Palästina – Das Völkerrecht und die Verantwortung der Bundesrepublik“ statt.
Die antiisraelische Position von Prof. Paech ist hinlänglich bekannt. In auf seiner Website norman-paech.de veröffentlichten Schriften bezeichnet er das israelische Vorgehen in Gaza nach dem 7. Oktober 2023 als „Völkermord“ und diskutiert das Wesen der Hamas als Terrororganisation bzw.
„Befreiungsbewegung“, die legitimen antikolonialen Kampf betreibe. Zu den Haftbefehlen des Internationalen Strafgerichtshofs in den Haag gegen Benjamin Netanjahu, Yoav Gallant und Mohammed Deif schreibt Paech beispielsweise: „Die Hamas wird hier juristisch auf die gleiche Stufe wie die israelische Armee (IDF) gestellt. Das hat auf israelischer Seite zwar für Empörung gesorgt, ist jedoch juristisch vollkommen korrekt. Denn unabhängig von ihrer Religion und ihrem Gesellschaftsverständnis ist die Hamas als eine Befreiungsbewegung des palästinensischen Volkes – sie hatte 2006 die gesamtpalästinensischen Wahlen gewonnen – berechtigt, auch Gewalt gegen die Besatzungsmacht zur Befreiung ihres Territoriums anzuwenden.“ [„Hamas: Terrororganisation oder legitimer Widerstand?“ – Nachdenkseiten v. August 2025. Abgerufen auf norman-paech.de am 13.1.2026] Prof. Paech gehört auch zu den Unterzeichnern einer Petition für die Aberkennung der Gemeinnützigkeit des Jüdischen Nationalfonds vom 2.5.2025 [ebd.].
Laut Augenzeugenberichten sind im Vortrag von Prof. Paech am 6.1.2026 Aussagen gefallen, die nach unserer Auffassung als antisemitisch und terrorverharmlosend einzustufen sind. Wörtlich soll Prof. Paech beispielsweise gesagt haben:
- „der Ausbruch von Hamas aus dem offenen Gefängnis am 7. Oktober 2023 und sein Angriff auf Israel war legal und legitim“
- „Hamas hat keine israelischen Soldaten vorfinden können, daher haben sie Zivilisten gefangen genommen, um sie auszutauschen“
Solche Äußerungen legitimieren und verharmlosen den terroristischen Angriff der Hamas vom 7. Oktober 2023, das schwerste Pogrom an Jüdinnen und Juden seit der Shoah. Bei diesem Massaker wurden rund
1.200 Menschen, überwiegend Zivilistinnen und Zivilisten, brutal ermordet; zahlreiche weitere wurden verletzt, misshandelt, vergewaltigt und verschleppt. Die Rechtfertigung dieser Gewalt ist eine unverantwortliche Relativierung terroristischer Gräueltaten und trägt selbst antisemitische Züge: Sie bagatellisiert gezielte Gewalt gegen Jüdinnen und Juden und ignoriert den ausdrücklich antisemitischen Vernichtungswillen der Hamas.
Dass derartige Aussagen im Rahmen einer offiziellen Universitätsveranstaltung vor Publikum erfolgen konnten und nach Augenzeugenberichten teilweise mit Beifall aufgenommen wurden, ist unerträglich. Als Veranstalterin der Ringvorlesung trägt die Universität Hamburg unmittelbare Verantwortung dafür, dass ihre Veranstaltungen nicht zur Plattform für Antisemitismus, Terrorlegitimierung oder Terrorverharmlosung werden. Sie hat zudem eine Fürsorgepflicht gegenüber Studierenden und Beschäftigten, insbesondere gegenüber jüdischen Studierenden und Lehrenden.
Analog zu den vorangegangenen Veranstaltungen der Vorlesungsreihe wurde die von uns beanstandete Veranstaltung höchstwahrscheinlich aufgenommen. Wir bitten darum, uns die Aufnahme zeitnah zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig raten wir der Universität zu einem besonders sensiblen Umgang mit einer möglichen Veröffentlichung der Aufnahme auf der Website der Vorlesungsreihe. Wir bitten Sie ferner, zu den zitierten Äußerungen Stellung zu nehmen und klarzustellen, dass antisemitische sowie terrorverharmlosende Aussagen an der Universität keinen Platz haben. Wir regen eine interne Prüfung des konkreten Vortrags einschließlich Moderation und Rahmenbedingungen sowie eine Evaluierung der gesamten Ringvorlesung an und empfehlen, wenn sich die erwähnten Zitate als korrekt erweisen, die Erwägung rechtlicher Schritte gegen den Referenten.
Das Netzwerk Jüdischer Hochschullehrender steht für einen offenen, kritischen Diskurs an Hochschulen. Dieser Diskurs endet dort, wo antisemitische Gewalt gegen Jüdinnen und Juden gerechtfertigt oder verherrlicht wird.
Wir stehen der Universität Hamburg für ein Gespräch zur Verfügung, um gemeinsam über geeignete Maßnahmen und Konsequenzen zu beraten.
Freundliche Grüße
Prof. Dr. Julia Bernstein
Prof. Roglit Ishay
Dr. Ilja Kogan
Vorstand des Netzwerks Jüdischer Hochschullehrender e. V.