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Offener Brief: Man muss sich nicht für Zivilcourage schämen – Unterstützung für Matthias Elwardt

    Herrn
    Matthias Elwardt
    c/o Zeise Kinos

    26.09.2025

    Sehr geehrter Herr Elwardt,
    liebes Team der Zeise Kinos,

    mit großer Sorge und zugleich großem Respekt haben wir die Vorfälle rund um die Filmvorführung „Die Möllner Briefe“ in Ihrem Kino verfolgt. Ihre entschiedene Haltung, antisemitische Symbole und Botschaften auch dann klar zu benennen, wenn dies unbequem ist, verdient unsere ausdrückliche Hochachtung. Die von Ihnen mit Recht beanstandete Karte des gesamten Gebiets von Israel und Palästina in Palästina-Farben, die ein Protagonist der Veranstaltung auf seinem T-Shirt trug, ist eine bekannte antisemitische Chiffre, die als Aufruf zur Vernichtung des Staates Israel bzw. als Aberkennung dessen Existenzrechts zu deuten ist.

    Wir bedauern, dass Ihr couragiertes Eingreifen zu Protesten im Publikum und zu dem darauffolgenden Shitstorm geführt hat, so dass Sie sich nachträglich zu einer Entschuldigung veranlasst sahen. Wir danken Ihnen für den Mut und die Entschlossenheit, darauf hinzuweisen, dass antisemitische Symbolik in Ihrem Kino keinen Platz hat. Auch als Überlebender eines rassistisch motivierten Verbrechens hat man keinen Freifahrtschein für die Verbreitung rassistischer oder antisemitischer Narrative. Für uns steht fest: Zivilcourage und die klare Benennung von Antisemitismus sind keine Verfehlungen, sondern Ausdruck demokratischer Verantwortung.

    Sie haben in einer schwierigen Situation besonnen und zugleich deutlich reagiert und auf die Verantwortung hingewiesen, antisemitische Äußerungen gerade in Deutschland nicht unwidersprochen hinzunehmen. Genau dieses aufrechte Handeln braucht es in unserer Gesellschaft, um jüdisches Leben zu schützen und die Erinnerung an die Schoa glaubwürdig wachzuhalten.

    Bitte verstehen Sie diesen Brief – gerade in Zeiten des enormen Anstiegs von Judenhass und Israelfeindlichkeit – als Zeichen unserer Solidarität und als Ermutigung, sich weiterhin für eine Kultur des Respekts einzusetzen und jeder Form von Antisemitismus entgegenzutreten. Ihr Handeln sendet ein wichtiges Signal weit über Hamburg hinaus.

    Mit größtem Respekt und Anerkennung,

    der Vorstand des Netzwerks Jüdischer Hochschullehrender in Deutschland, Österreich und der Schweiz (NJH)
    Prof. Dr. Julia Bernstein
    Prof. Roglit Ishay
    Dr. Ilja Kogan



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