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Offener Brief: Kunstakademie Düsseldorf



    Netzwerk Jüdischer Hochschullehrender (NJH) e. V.
    WerteInitiative – jüdisch-deutsche Positionen e. V.
    Jüdisches Forum der CDU NRW
    Offener Brief an die Leitung der Kunstakademie Düsseldorf


    Kunstakademie Düsseldorf
    z. H. Frau Rektorin Prof. Donatella Fioretti
    und die Mitglieder des Rektorats


    15.01.2026



    Offener Brief an die Leitung der Kunstakademie Düsseldorf
    Zur Einladung von Basma al-Sharif am 21. Januar 2026

    Sehr geehrte Frau Rektorin Professor Donatella Fioretti,
    sehr geehrte Mitglieder des Rektorats,

    als Netzwerk Jüdischer Hochschullehrender, WerteInitiative und Jüdisches Forum der CDU NRW wenden wir uns gemeinsam mit diesem offenen Brief an Sie, um unsere tiefe Besorgnis über die geplante Veranstaltung mit Basma al-Sharif zum Ausdruck zu bringen. Die Stellungnahme Ihrer Institution vom 13. Januar 2026, die dem Jüdischen Forum der CDU NRW übermittelt wurde, veranlasst uns zu einer kritischen Analyse.

    Zur Problematik der Einladung. Die uns vorliegenden Dokumentationen und öffentlich einsehbaren Beiträge belegen, dass das öffentliche Auftreten von Basma al-Sharif im Bereich der Terrorverharmlosung und des israelbezogenen Antisemitismus anzusiedeln ist. Dokumentierte Social-Media-Beiträge zeigen eine demonstrative Bezugnahme auf die Popular Front for the Liberation of Palestine (PFLP) sowie eine Legitimierung von Gewalt als vermeintliche “Selbstverteidigung”. Die PFLP ist seit 2002 von der Europäischen Union als terroristische Organisation gelistet.

    Besonders relevant ist zudem die wiederkehrende Verwendung des auf der Spitze stehenden roten Dreiecks. In den vorliegenden Dokumentationen wird dieses Symbol als Markierung in Hamas-Kommunikation beschrieben, unter anderem zur Kennzeichnung von Feinden. Eine öffentliche Verwendung kann je nach Kontext geeignet sein, Gewaltpropaganda zu normalisieren und strafrechtliche Fragen aufzuwerfen. Ebenfalls dokumentiert ist die konsequente Verwendung der Bezeichnung “zionist entity” bzw. “zionistische Entität” anstelle von “Israel”, eine Terminologie, wie sie unter anderem von der Terrororganisation Hamas verwendet wird und die geeignet ist, das Existenzrecht Israels zu delegitimieren. Dies berührt zugleich einen Kernbereich israelbezogenen Antisemitismus, der sich unter anderem in einseitiger Delegitimierung, Dämonisierung und der Anwendung doppelter Standards gegenüber dem jüdischen Staat ausdrücken kann. Verstörend ist schließlich eine in den Dokumentationen wiedergegebene Stellungnahme wenige Tage nach dem 7. Oktober 2023, in der ohne erkennbare Empathie für die Opfer Narrative einer Täter-Opfer-Umkehr und verschwörungsideologische Deutungen bedient werden.

    Zur Stellungnahme der Kunstakademie. Ihre Stellungnahme enthält aus unserer Sicht einen fundamentalen Widerspruch: Einerseits betonen Sie zu Recht, dass “Antisemitismus, Hassrede, die Relativierung oder Verherrlichung terroristischer Gewalt sowie die Infragestellung des Existenzrechts Israels an unserer Institution keinen Platz” haben. Andererseits laden Sie eine Person ein, deren dokumentierte öffentliche Äußerungen und Symbolverwendungen genau diese Problemlagen berühren. Solche Bekenntnisse können nur dann ernst genommen werden, wenn sie in konkreten Entscheidungen eingelöst werden. Der Verweis auf die “international anerkannte künstlerische Arbeit” als Grundlage der Einladung greift zu kurz. Künstlerische Reputation kann nicht als Freibrief dienen, Inhalte zu verbreiten oder zu rahmen, die antisemitische Ressentiments befeuern, terroristische Gewalt relativieren oder das Existenzrecht Israels delegitimieren.

    Menschenwürde vor Kunstfreiheit. Die Kunstfreiheit (Art. 5 Abs. 3 GG) ist ein hohes Gut. Sie findet ihre Grenzen jedoch dort, wo andere Verfassungsgüter und strafrechtliche Normen berührt werden. Die Menschenwürde (Art. 1 GG) – selbstverständlich auch die von Jüdinnen und Juden – ist oberster Verfassungswert. Wenn jüdische Studierende und Mitarbeitende Ihrer Institution sowie die jüdische Gemeinschaft in Düsseldorf durch diese Einladung bedroht oder entwertet werden, ist dies keine abstrakte Debatte, sondern eine konkrete Belastung von Sicherheit und Würde. Sie führen an, die Veranstaltung werde “moderiert und kontextualisiert”. Eine studentische Moderation kann jedoch die politische Signalwirkung einer Einladung nicht neutralisieren, wenn zentrale rote Linien – wie die klare Abgrenzung von Antisemitismus, Terrorverherrlichung und der Delegitimierung Israels – nicht bereits im Vorfeld sichtbar und verbindlich gesichert werden.

    Zur besonderen Verantwortung Ihrer Hochschule. Die Kunstakademie Düsseldorf ist eine öffentliche Einrichtung des Landes Nordrhein-Westfalen, finanziert durch Steuergelder. Diese öffentliche Trägerschaft begründet eine besondere Verantwortung, bei Einladungen nicht nur auf künstlerische Meriten, sondern auch auf die Einhaltung klarer Grenzen gegenüber antisemitischen, gewaltverherrlichenden oder terrorverharmlosenden Positionen zu achten. Die Einladung sendet ein fatales Signal der Normalisierung. Die Jüdische Gemeinde Düsseldorf hat dies treffend formuliert: “Es erschüttert unser Vertrauen in die Verantwortung öffentlicher Institutionen.”

    Unser Appell. Daher appellieren wir an Sie, die geplante Veranstaltung abzusagen, um das ohnehin erschütterte Vertrauen der Jüdischen Gemeinschaft in öffentliche Institute nicht noch mehr zu ruinieren.

    Mit vorzüglicher Hochachtung,
    Netzwerk Jüdischer Hochschullehrender (NJH) e. V.
    WerteInitiative – jüdisch-deutsche Positionen e. V.
    Jüdisches Forum der CDU NRW

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