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Offener Brief: ETH Zürich



     

    ETH Zürich
    Rämistrasse 101
    8092 Zürich
    Schweiz


    Frankfurt, 11.01.2026


    Offener Brief zum geplanten Auftritt von Faiq Mari an der ETH


    Sehr geehrter Prof. Dr. Joël Mesot, Präsident der ETH Zürich, 
    sehr geehrter Prof. Dr. Günther Dissertori, Rektor der ETH Zürich, 

    mit Bestürzung stellen wir fest, dass für den 19.2.2026 am Departement Architektur der ETH Zürich ein Vortrag von Faiq Mari (Birzeit University, Ramallah) geplant ist, einer langjährigen zentralen Figur des Palestine Committee Zurich, die zudem im Verdacht steht, im Jahre 2023 vom Geheimdienst der Palästinensischen Autonomiebehörde wegen Terrorverdacht verhaftet worden zu sein (https://shahed.cc/news/1338/معتقل-سياسي-يعلن-الاضراب-عن-الطعام-في-سجن-أريحا). Die Veranstaltung ist im Rahmen der von der Prof. Mariam Issoufou organisierten Konferenz „Unarchiving Architecture“ geplant; das Panel, in dem Mari sprechen soll, trägt den Titel „Unarchiving the Coloniality of Archives“.
     (https://unarchivingarchitecture.ethz.ch/programme; https://www.instagram.com/p/DUFd65fDXWY/)

    Zudem halten wir in diesem Zusammenhang mit größter Irritation fest, dass Mari mehrere Jahre lang am Institut für Geschichte und Theorie der Architektur (gta) ein Forschungsprojekt mit dem Titel „Maktabat Sabil“ verfolgen konnte, bei dem es um die Sammlung von „knowledge on Palestine and its anticolonial struggle“ ging (https://www.research-collection.ethz.ch/server/api/core/bitstreams/98485450-261f-45ac-8a20-9e2b2f9db1fe/content). Die mit tendenziösen, unwissenschaftlichen und abwegigen politischen Kampfbegriffen gespickte Website hatte sogar eine zeitlang eine ETH-URL und wanderte erst Anfang 2024 nach massiven öffentlichen Protesten infolge des 7. Oktobers 2023 (https://www.change.org/p/eth-zurich-make-knowledge-on-palestine-and-its-anticolonial-struggle) auf eine externe URL:
    https://maktabatsabil.com/s/en/page/welcome.

    Fassungslos macht uns die Tatsache, dass Faiq Mari im Oktober 2024 mit einer von Prof. Dr. Philip Ursprung (ebenfalls gta) und Prof. Dr. Christian Schmid betreuten ETH-Dissertation (https://www.research-collection.ethz.ch/handle/20.500.11850/705191) einen Doktortitel erhalten konnte, in der die israelische Sicherheitsmauer als „Apartheid Wall“ firmiert, Israel durchweg delegitimiert wird und mit Begriffen wie „Israeli regime“, „the colonial Israeli state“, „a small, hostile European settler colony implanted within a huge Arab nation“ versehen ist. In der ETH-Dissertation von Faiq Mari finden sich zudem einige Passagen, in denen bei gleichzeitiger Kritik an der Fatah die Hamas als demokratisch legitimierte politische Kraft verharmlost wird.

    Die beschriebenen Tendenzen stehen mit schrecklicher Stringenz in der Tradition der seit 2024 öffentlich thematisierten antisemitischen bzw. antiisraelischen Tendenzen am Architekturdepartement der ETH. Diese zeigten sich – einmal mehr – mit besonderer Drastik im Herbst 2025 während der von Philip Ursprung co-organisierten Konferenz Der große Kanton: Rise & Fall of the BRD, bei der sich die vorab vom Netzwerk Jüdischer Hochschullehrender (https://n-j-h.de/offener-brief-konferenz-der-grosse-kanton/) artikulierten Befürchtungen auf das Schlimmste bestätigten. So wurden auf dieser Konferenz antisemitische Gewalt verharmlost, der Holocaust relativiert und die Kritik an diesen Tendenzen als „Massenpsychose“ und „geheime Wünsche“ diffamiert – ohne jeglichen Widerspruch durch die Veranstalter. Entsprechend verheerend fiel auch das Presseecho aus. Bis heute ist keine Reaktion der ETH auf unseren Brief eingegangen.

    Unsere Bitten und Forderung: 

    Wir rufen die ETH Zürich dazu auf, den Auftritt von Faiq Mari zu überdenken und sicherzustellen, dass wissenschaftliche Einrichtungen, die mit öffentlichen Geldern finanziert werden, nicht zur Verbreitung von Israel-feindlichen oder antisemitischen Narrativen zweckentfremdet werden. 

    Wir rufen die ETH ferner dazu auf, in Anbetracht der seit nunmehr zwei Jahren anhaltenden öffentlichen Diskussionen um antisemitische und antiisraelische Tendenzen am Architekturdepartement endlich durch jene Stellen der Universität aufarbeiten zu lassen, die für die Sicherstellung wissenschaftlicher Integrität zuständig sind – und notfalls auch externe Hilfe in Anspruch zu nehmen. In Anbetracht des zivilgesellschaftlichen Interesses an diesen Prozessen bitten wir um öffentliche Kommunikation des Starts und Ergebnisses dieser Untersuchung.

    Wir stehen für ein Gespräch zur Verfügung und sind bereit, unsere Expertise und unser Wissen einzubringen.

    Vorstand des Netzwerks jüdischer Hochschullehrender e.V.
    Prof. Dr. Julia Bernstein
    Prof. Roglit Ishay
    Dr. Ilja Kogan

    Prof. Dr. Alfred Bodenheimer, Co-Präsident Association for the Promotion and Support of Jewish University Members in Switzerland

    Prof. Dr. Jacques Ehrenfreund, Co-Präsident Association for the Promotion and Support of Jewish University Members in Switzerland

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