Rektorin Prof. Dr. Obergfell,
Universität Leipzig
Ritterstraße 26
04109 Leipzig
03.11.2025
Sehr geehrte Frau Rektorin Prof. Dr. Obergfell,
am 4. November möchte die Gruppe „Students for Palestine Leipzig“ in den Räumen der Universität Leipzig einen Bericht mit dem Titel „Upholding Ethical Responsibility and Ending Complicity in Genocide, Apartheid and Occupation: Report on Leipzig University´s Cooperations with Israeli Institutions“ präsentieren. Der anonyme, angeblich „von einer Gruppe von Mitarbeiter*innen sowie Studierenden der Universität Leipzig“ verfasste Bericht fordert die Aussetzung der Kooperationsprojekte, Austauschprogramme und wissenschaftlichen Kontakte zu mehreren israelischen Universitäten, denen Beteiligung am angeblichen Genozid in Gaza und der angeblich illegalen Besetzung Palästinas vorgeworfen wird. Die Beziehungen sollen unter anderem ausgesetzt werden, bis sich die israelischen Institutionen vom angeblichen Genozid distanzieren sowie die Beseitigung der die palästinensischen Gebiete abtrennenden „Apartheid Wall“ und das Rückkehrrecht der palästinensischen Flüchtlinge durchsetzen. Während der erste Punkt offensichtlich absurd ist, da man sich nicht von einem Genozid distanzieren kann, der nie stattgefunden hat, sind die beiden letztgenannten Punkte gleichbedeutend mit einem Aufruf zur Zerstörung des Staates Israel in seiner derzeitigen Form. Wir werten den Bericht daher als antisemitisches Machwerk, das dem Zweck der Delegitimierung und Isolierung Israels dient und wissenschaftlichen Kriterien nicht entspricht. Folglich ist die öffentliche Präsentation eines solchen Berichts eine antisemitische Propagandaveranstaltung, die an einer deutschen Hochschule im 21. Jahrhundert nicht stattfinden sollte.
Seit dem Überfall der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 und der darauffolgenden Reaktion Israels mehren sich Boykottaufrufe gegen israelische Wissenschaftler, Künstler, Kultur- und Bildungsinstitutionen. Dabei entspringen Forderungen nach einem Abbruch akademischer Kontakte mit Verweis auf die unterstellte Verstrickung von Hochschulen in angebliche Völkerrechtsverletzungen bekannten antisemitischen Denkmustern und ignorieren zudem den Fakt, dass gerade israelische Hochschulen als Orte der Pluralität Handlungen der israelischen Regierung oftmals besonders kritisch gegenüberstehen. Ungeachtet der komplexen juristischen Bewertung der politischen und militärischen Lage im Nahen Osten sollten sich Universitäten nicht von simplen Hassbotschaften unter Druck setzen lassen, die durch geschickten Einsatz von Halb- und Unwahrheiten eine antisemitische Agenda vorantreiben.
Wir fordern Sie dringend dazu auf, Räume der Universität nicht für antisemitische Propagandaveranstaltungen wie die für den 4. November 2025 angesetzte Präsentation missbrauchen zu lassen. Für Rückfragen stehen wir selbstverständlich gern zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
der Vorstand des Netzwerks Jüdischer Hochschullehrender in Deutschland, Österreich und der Schweiz (NJH)
Prof. Dr. Julia Bernstein
Prof. Roglit Ishay
Dr. Ilja Kogan