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Herausforderungen in der Auseinandersetzung mit Antisemitismus an Hochschulen – Initiative Netzwerk jüdischer Hochschullehrender in Deutschland, Österreich und der Schweiz.


    Herausforderungen in der Auseinandersetzung mit Antisemitismus an Hochschulen – Initiative Netzwerk jüdischer Hochschullehrender in Deutschland, Österreich und der Schweiz. 1

    Julia Bernstein, Ilja Kogan, Roglit Ishay (Dieser Artikel als PDF: Download)

    Dieser Artikel erschien in der Publikation „Antisemitismus an Hochschulen in Geschichte und Gegenwart, Kontinuitäten – Interventionen – Bedarfe“, Herausgeberin: Dr. Susanne Urban, 2025, Quelle: https://www.uni-marburg.de (116 Seiten)


    Seit dem 7. Oktober 2023 ist Antisemitismus – insbesondere in seiner israelbezogenen Erscheinungsform – weltweit in einer neuen Sichtbarkeit und Schärfe zutage getreten. Als Hotspot dieser Problemlage sind in Universitäten in den Fokus gerückt. Dabei zeigt sich, dass zahlreiche antisemitische Einstellungen und Feindbilder oft nicht offen als solche artikuliert werden, sondern camoufliert im Gewand vermeintlich politischer Kritik an Israel auftreten und sich in Formen des antiisraelischen Aktivismus manifestieren Narrative, die Israel einseitig dämonisieren, es als alleinigen Aggressor darstellen oder seine Politik auf eine moralische Stufe mit Terrororganisationen stellen, greifen dabei häufig auf antisemitische Deutungsmuster zurück.2 Zugleich geraten der Terror der Hamas, das fortdauernde Schicksal der Geiseln sowie die weltweite Gewalt gegen jüdische Menschen in den Hintergrund. 3 Informationen und Deutungsrahmen aus dem Umfeld der Hamas werden vielerorts unkritisch übernommen, während ihre Taten sprachlich relativiert oder verharmlost werden bis hin zur offenen Legitimierung als angeblicher „Widerstand“, insbesondere unter manchen jungen Aktivist:innen im Umfeld von Hochschulen. 4

    Diese Dynamiken spiegeln sich nicht nur in digitalen Räumen, sondern auch in der Veränderung öffentlicher Orte, in Demonstrationen, Hochschulbesetzungen und in einem deutlichen Anstieg antisemitischer Straftaten wider. Die Folgen für Jüdinnen und Juden, für die das Massaker am 7. Oktober 2023, das „die tiefen seelischen Wunden des Extrem-Traumas Shoah wieder geöffnet“ hat 5, reichen von Verlust an Sicherheit und Sichtbarkeit über psychische Belastungen bis hin zu Rückzugstendenzen aus öffentlichen oder beruflichen Kontexten.  6

    Antisemitismus nach dem 7.10.2023

    Weltweit ist seit dem 7. Oktober 2023 ein Anstieg des Antisemitismus zu beobachten. 7 Laut dem Combat Antisemitism Movement (CAM) stiegen dokumentierte antisemitische Vorfälle weltweit im Jahr 2024 gegenüber dem Vorjahr um 107,7 % – insgesamt wurden 6.326 Vorfälle registriert. Die World Zionist Organization und Jewish Agency for Israel sprechen von einer 340 %-Steigerung antisemitischer Vorfälle zwischen 2022 und 2024. 8 Im Jahr 2023 registrierte die Anti-Defamation League (ADL) 8.873 antisemitische Vorfälle in den USA – ein drastischer Anstieg um rund 140 % im Vergleich zu 3.697 Fällen im Jahr 2022 9. Im darauffolgenden Jahr 2024 wurden laut ADL 9.354 antisemitische Vorfälle gezählt, was einem weiteren Anstieg um fünf Prozent gegenüber 2023 entspricht. 10 Die Beratungsstelle Ofek verwies darauf, dass sich der Bedarf an Beratungen von Betroffenen im ersten Jahr nach dem 7.10.2023 verfünffachte. 11

    Der Bericht der Tel Aviv University „Antisemitism Worldwide Report 2025“ stellt fest, dass die Zahl antisemitischer Vorfälle weltweit zwar nach dem Höhepunkt Ende 2023 zurückging, aber weiterhin signifikant über dem Niveau vor dem Krieg (vor dem 7. Oktober 2023) liegt. 12 Einer globalen Studie der ADL zufolge haben 46 % der über 58.000 Befragten aus 103 Ländern antisemitische Einstellungen– was auf etwa 2,2 Mrd. Menschen weltweit hochgerechnet wird. 13 Hochschulen geraten als Schwerpunktorte in den Fokus: Im April 2025 wurden weltweit 554 antisemitische Vorfälle von der Organisation Combat Antisemitism Movement registriert, davon 88 an Hochschulcampus. 14 Für Europa meldet der Community Security Trust (CST) im Vereinigten Königreich für das Jahr 2024 insgesamt 145 antisemitische Vorfälle im Hochschul-/Universitätsumfeld (darunter 66 auf dem Campus und 65 online). 15 Für Deutschland berichtet der Bundesverband RIAS 8.627 antisemitische Vorfälle im Jahr 2024 – nahezu eine Verdopplung gegenüber 2023. 16 76% der Juden europaweit sehen sich zumindest gelegentlich gezwungen, ihre jüdische Identität zu verbergen. 17 Eine aktuelle Umfrage unter jüdischen Studierenden weltweit (AntiDefamation League & World Union of Jewish Students) ergab, dass etwa 78 % ihre religiöse Identität und 81 % ihre zionistische Einstellungen auf dem Campus verbergen. 18

    Situation an den Hochschulen seit dem 7.10.2023

    Hochschulen – insbesondere solche mit einer starken geistes- und sozialwissenschaftlichen Ausrichtung – stehen nicht selten an der Spitze gesellschaftlicher und politischer Entwicklungen. Stimmungen, die sich an Hochschulen ausbreiten, greifen mitunter kurze Zeit später auf weite Teile der Gesellschaft über. Bereits der Zweite Unabhängige Expertenkreis Antisemitismus weist darauf hin, dass mit steigendem Bildungsniveau die Zustimmung zu klassischen, leicht als antisemitisch erkennbaren Items zwar sinkt – zugleich aber plausibel ist, dass von höher Gebildeten ein sozial adäquater Sprachgebrauch über Jüdinnen und Juden, den Nationalsozialismus, Vergangenheitsbewältigung und „klassischen“ Antisemitismus erwartet wird. 19 

    Obgleich sich Hochschulen als diskriminierungsfreie Räume verstehen, fühlen sich jüdische Studierende und Lehrende nach dem 7. Oktober 2023 an deutschen Hochschulen oftmals ignoriert, ausgegrenzt oder bedroht. Die Jüdische Studierendenunion Deutschland hält fest: „Für viele jüdische Studierende ist die Universität kein sicherer Ort mehr. Das Schweigen der Institutionen wiegt schwerer als die Rufe der Hassenden.“ 20

    Aus dem Bericht „A Climate of Fear and Exclusion: Antisemitism at European Universities“  sowie der Befragung von 78 jüdischen Studierenden durch die JSUD geht hervor, dass einige Befragte von Verfolgung und Bedrohung seitens ihrer Kommiliton:innen berichten, die meisten Angst äußern und sich im Stich gelassen fühlen. 21 Ähnliche Befunde finden sich in der Studie „Experiences and Perceptions of Antisemitism“ aus dem Jahr 2024 22, in dem Lagebericht „Antisemitismus an deutschen Hochschulen“ von AJC Berlin Ramer Institute 23 sowie im „Scholar Shield Report“ des Neaman Institute (2025), die beide dokumentieren, dass sich jüdische Studierende in Europa und weltweit zunehmend unsicher fühlen und antisemitische Anfeindungen häufig ohne institutionelle Reaktion bleiben. 24 Jüdische Studierende nehmen ein Klima der Einschüchterung und Ausgrenzung wahr. Antisemitische Parolen, Israelhass und gezielte Einschüchterung jüdischer Studierender seien zunehmend Teil des universitären Alltags geworden. 25 Es werden Protest-Camps, Veranstaltungen oder Vorträge abgehalten, in denen das Massaker vom 7. Oktober als „Selbstverteidigung“ oder „Akt des Widerstands“  26 bezeichnet wird. Viele Universitäten reagieren zögerlich oder gar nicht. 27 Der antisemitische Charakter der Vorfälle wird oft bestritten oder geleugnet, die häufig Terror relativierenden oder gar glorifizierenden Inhalte werden als von der Meinungsfreiheit gedeckt verklärt. Israelbezogener Antisemitismus, von den Betroffenen als das Hauptproblem im universitären Kontext beschrieben, wird nur selten als solcher benannt und thematisiert. 28 Laut RIAS sind 90% aller Antisemitismus-Vorfälle an Hochschulen dem israelbezogenen Antisemitismus zuzuordnen. 29

    Diese Akteur:innen  kommen aus sehr unterschiedlichen – teils sogar miteinander verfeindeten – Gruppen: von links-antiimperialistischen und islamistischen Akteur:innen über Vertreter:innen der gesellschaftlichen Mitte bis hin zu rechtsorientierten Kreisen, die in der Ablehnung Israels einen gemeinsamen Nenner finden. Hintz et al. (2025) identifizieren den anhaltenden israelbezogenen Antisemitismus als zentrales Problem an Hochschulen. 30 78 % der jüdischen Befragten der FRA Studie (2024), die noch vor dem 7.10 2023 durchgeführt wurde, geben dabei an, dass sie für die Handlungen der israelischen Regierung verantwortlich gemacht werden, weil sie jüdisch sind. 31 Der israelbezogene Antisemitismus, der häufig in der Kommunikationslatenz transportiert wird 32 und nach der Studie „Antisemitismus in der Gesamtgesellschaft von Nordrhein-Westfalen“ besonders unter jungen Menschen im Alter von 16 bis 18 verbreitet ist 33, zeigt sich zugleich als die am stärksten politisierte und emotionalisierte Form des Antisemitismus und hat weitreichende Auswirkungen auf die Betroffenen. 

    Die Bevölkerungsstudie „Antisemitismus in der Gesamtgesellschaft von Nordrhein-Westfalen“ 34 ist zwar keine Campus-Spezialstichprobe – liefert aber einen Kontext, der Hochschulen betrifft. In diesem Kontext steht die „Gleichsetzung zwischen der Politik Israels mit den NS-Verbrechen“, der tendenziell 38 % zustimmen, aber auch ein Verständnis für den Israelboykott, das 32 % äußern. 35 Hinz et al. zufolge vertreten ca. 12 % der Studierenden die die Hamas ebenso legitimierende wie die Realität verzerrende Auffassung, sie ziele auf den Schutz der palästinensischen Zivilbevölkerung im Gazastreifen. 36

    International zeigen die verfügbaren Daten seit dem 7. Oktober 2023 einen deutlichen Anstieg antisemitischer Vorfälle an Hochschulen. In zahlreichen Ländern – etwa Deutschland und Frankreich – ist seit Oktober 2023 eine markante Zunahme sowohl der Häufigkeit als auch der Intensität antisemitischer Vorfälle zu beobachten. 37 Hillel International zählte im Studienjahr 2024/25 2.334 Campus-Vorfälle – ein Höchststand und deutlich mehr als 2023/24 (1.853). 38 In den USA registrierte die ADL 9.354 antisemitische Vorfälle im Jahr 2024 insgesamt; auf dem Hochschulcampus stiegen die Vorfälle um 84 % auf 1.694 und machten damit 18 % aller Fälle aus. 39 Für Großbritannien meldete der Community Security Trust (CST) 272 universitätsbezogene Vorfälle im akademischen Jahr 2023/24 (insgesamt 325 in den beiden Jahren 2022/23 und 2023/24) – ein Rekordwert. 40 An Hochschulen in Deutschland verdreifachte sich die Zahl gegenüber dem Vorjahr auf 450 Vorfälle (2023: 151; 2022: 23). 41 Als wesentliche Dimension dieser Problemdynamik lässt sich der israelbezogene Antisemitismus benennen. 42

    Einige Daten zeigen, dass die BDS Initiative seit dem 7.10.2023 an Bedeutung gewonnen hat. 43 Die ADL zählte im Studienjahr 2023/24 80 BDS-Resolutionen an Hochschulen (71angenommen). 44 Sie weist für US-Hochschulen im Studienjahr 2023/24 eine 477 %ige Zunahmeanti-israelischer Aktivitäten (inkl. Divestment-Resolutionen) gegenüber dem Vorjahr aus. 45 Trotz der generell ablehnenden Haltung von Hochschulleitungen im deutschsprachigen Raum gegenüber einem akademischen Boykott Israels ist die wissenschaftliche Zusammenarbeit deutlich zurückgegangen. 46 Während im Vorjahr noch 16 % der israelischen wissenschaftlichen Preprints einen deutschen Mitautor:in aufwiesen, liegt dieser Anteil aktuell nur noch bei 12,7 %.  47 Diese Entwicklung steht im Kontext einer weltweit zunehmenden Tendenz zur Isolierung israelischer Wissenschaftler:innen und Institutionen. 

    Laut der Vereinigung der Universitätsleitungen Israels (VERA) und dem Scholar Shield Report des Neaman Institute (2025) wurden in den vergangenen zwei Jahren über 1.000 Fälle akademischer Boykotte dokumentiert – durch Institutionen, Fachgesellschaften, Forschungsgruppen oder Einzelpersonen –, was einer Verdreifachung gegenüber dem Vorjahr (2024) entspricht. Der Bericht betont, dass sich die Mehrheit dieser Fälle auf den akademischen und kulturellen Austausch bezieht, insbesondere auf Publikationsverweigerungen, Rücknahmen von Einladungen, abgebrochene Kooperationen und den Ausschluss israelischer Forschender von Panels und Konferenzen.  48 Etwa 10–11 % der Universitätsstudierenden (ähnlich dem Anteil in der Allgemeinbevölkerung) gelten als überzeugte Unterstützer:innender BDS-Forderungen. 49 Zugleich ist der Anteil Unentschiedener mit 16% auffällig hoch. 50 Auch einige Wissenschaftler:innen unterstützen immer wieder BDS-Kampagnen. 51 

    Selbst zielgerichtete persönliche und gruppenbezogene Anfeindungen sind im Hochschulbereich keine Seltenheit mehr. Sie reichen von Beleidigungen und Bedrohungen (im Netz und offline) über Störungen von Veranstaltungen bis zu seltenen physischen Angriffen. Sie betreffen gleichermaßen Akteure, die israelisch sind oder, ob jüdisch oder nicht-jüdisch, Solidarität mit Israel zeigen. Besonders verstörend sind Ausladungen oder Veranstaltungsabsagen, die Hochschulen auf Druck propalästinensischer Aktivistengruppen oder in vorauseilendem Gehorsam vornehmen. An einer Hochschule wurde beispielsweise eine geplante Ausstellung über antisemitische Pogrome mit Verweis auf das Fehlen geeigneter Räume und eine mögliche Polemisierung des Publikums abgesagt. Einige Lehraufträge jüdischer Dozent:innen wurden mit vorgeschobenen Begründungen nicht verlängert; andere sahen sich durch Druck studentischer Aktivist:innen und mangelnde Unterstützung seitens der Hochschulen zur Aufgabe der Lehrtätigkeit gezwungen.  Bei Bedrohungen und Diffamierungskampagnen gegen Aktive ist seit 2023 eine anhaltend steigende Tendenz festzustellen.

    Initiative Netzwerk jüdischer Hochschullehrender 

    Vor diesem Hintergrund entstand im Winter 2023/2024 das Netzwerk Jüdischer Hochschullehrender in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Initiative für den zunächst informellen Zusammenschluss hatten die Frankfurter Antisemitismusforscherin Prof. Dr. Julia Bernstein und die Freiburger Pianistin und Komponistin Prof. Roglit Ishay. Die Vereinigung sollte jüdischen Hochschulangehörigen eine Plattform bieten, um sich über die Lage an Hochschulen auszutauschen, in einem geschützten Raum Solidarität zu erleben, Basiswissen zu Antisemitismus zu erlangen und hochschulübergreifend für die Sichtbarkeit und den Schutz jüdischen Lebens auf dem Campus agieren zu können. Die Unterstützung jüdischer Studierender – die, im Gegensatz zu den Lehrenden, bereits in Vereinigungen organisiert waren – und der praktische Kampf gegen antisemitische Tendenzen und Vorfälle gehörten zu den vorrangigen Aufgaben des neugegründeten Netzwerks. 

    So standen die ersten Monate des Netzwerks im Zeichen gegenseitigen Kennenlernens, von Bestandsaufnahmen und intensivem Austausch über die Situationen vor Ort. Zahlreiche Treffen fanden als sogenannte Safe Spaces statt, in denen Betroffene unter Ausschluss der Öffentlichkeit über ihre Erlebnisse und Gefühle sprechen konnten. Andere Treffen wurden für weitere Gruppen geöffnet, zum Beispiel für jüdische Studierende oder nichtjüdische Hochschullehrende, die sich zum Unterstützungskreis angeschlossen haben. So ergab sich nach und nach ein Stimmungsbild für die deutschsprachige Hochschullandschaft und darüber hinaus. Aus den Gesprächen wurden die Bedarfe ermittelt und Prioritäten für die weitere Tätigkeit festgelegt.

    Für viele war der Ausgang aus der anfänglichen Vereinsamung und Verunsicherung ein erstes zählbares Ergebnis des Netzwerks Jüdischer Hochschullehrender. Einige Hochschullehrende berichteten darüber, dass das Netzwerk ihr erste jüdische Gruppe ist und dass sie vor dem 7.10 ihre jüdische Identität nicht als primär wichtig erachtet haben und erst durch den barbarischen Angriff der Hamas auf Israel und/oder die darauffolgende globale Zunahme des Antisemitismus mit der Notwendigkeit konfrontiert wurden, sich mit eigener jüdischer Identität zu beschäftigen. Im Herbst 2025 vereint das Netzwerk etwa 180 Personen; 75 von ihnen sind dem gleichnamigen Verein beigetreten. Weitere rund 225 Personen bilden den Unterstützerkreis, der aus weiteren Hochschulangehörigen besteht. Unter ihnen befinden sich führende Wissenschaftler:innen aus unterschiedlichen Disziplinen sowie renommierte Antisemitismusforscher:innen. Unter anderen Aktivitäten fanden zwei informelle anonyme Umfragen unter jüdischen und nichtjüdischen Hochschullehrenden aus dem Unterstützerkreis statt, die hier kurz präsentiert werden. Die Umfragen umfassten geschlossene Fragen, gaben aber auch die Möglichkeit, offen über die Vorfälle und die eigenen Empfindungen zu berichten. 

    Die Ausgangslage jüdischer Dozent:innen

    Eine erste Umfrage unter den Mitgliedern des Netzwerks im Jahr 2024 unter 70 Beteiligten ergab, dass rund 40 % der Befragten nach dem Terrorangriff der Hamas und der darauffolgenden Reaktion Israels aufgrund ihrer jüdischen Identität Bedrohungen und Belästigungen erfahren haben. 52 Dabei reicht die Spannweite von verbalen Anfeindungen im akademischen Umfeld, die 63,6 % der Betroffenen erlebt haben, über Online-Belästigungen und Cybermobbing (40,9 %), bis hin zu physischen Bedrohungen und Sachbeschädigungen, die rund 14 % betrafen. 13 % gaben an, auf Online-Lehre umgestiegen zu sein. Lehrende berichten von Versuchen, sie von Veranstaltungen auszuschließen, Boykottaufrufen und Hetzkampagnen in Social Media, Mails und Flyeraktionen. Hier wurden Lehrveranstaltungen unter anderem als „zionistisch“ diskreditiert, auch wurde Dozierenden mit jüdischem bzw. israelischem Hintergrund die fachliche Kompetenz abgesprochen. Neben verbalen Anfeindungen mit zum Teil NS-verherrlichendem Inhalt führten Bedrohungen durch die Veröffentlichung privater Kontaktdaten und Fotos in Extremfällen sogar dazu, dass Personenschutz eingesetzt werden musste.

    An vielen Hochschulen zeigten sich strukturelle Probleme. So wurden Portraits der in der Gewalt der Hamas befindlichen Geiseln abgerissen oder beschmiert, während Plakate mit antiisraelischer Propaganda aufgehängt wurden und oft keine Beanstandung erfuhren. Sehr zögerlich war an manchen Hochschulen der Umgang mit Protestcamps und Hörsaalbesetzungen, bei denen antisemitische Parolen zu hören und zu lesen waren. In einigen Fällen wurden Lehrveranstaltungen mit Israel-Bezug administrativ behindert und Auftritte von Shoah-Überlebenden politisch instrumentalisiert. Daran zeigt sich nicht nur die gefährliche Radikalisierung einzelner Gruppen, sondern auch ein institutionelles Versagen im Umgang mit Antisemitismus. Viele Befragte schildern das Schweigen oder die Untätigkeit der Hochschulleitungen, teils sogar offene Parteinahme bzw. Sympathie für die Angreifenden. Das verstärkt das Gefühl der Isolation und Enttäuschung bei den Betroffenen.

    Die psychischen Belastungen, die mit diesen Erfahrungen einhergehen, sind erheblich. Mehrere Befragte berichteten 2024 von Grundverunsicherung, Angstzuständen, Schlaflosigkeit und Erschöpfung, manche haben sich aus der Lehre zurückgezogen. Einige fühlten sich von ihren Kolleg:innen alleingelassen, besonders dann, wenn nur wenige aus dem Kollegium nach ihrem Zustand nach dem 7.10 gefragt haben, langjährige Beziehungen plötzlich abbrachen oder antisemitische Vorfälle nicht ernstgenommen wurden. Neben der persönlichen Betroffenheit wird eine große institutionelle Ohnmacht deutlich. Viele Hochschulen verfügen offenbar weder über ein klares Sicherheitskonzept noch über wirksame Maßnahmen zur Prävention und Intervention. Nur 7,4 % der Befragten gaben an, dass an ihrer Hochschule ein solches Konzept kommuniziert wurde.

    In Reaktion auf diese Bedrohungslage entwickelten die Betroffenen unterschiedliche Strategien: Einige meldeten Vorfälle intern oder an externe Stellen wie RIAS oder die Polizei, andere dokumentierten sie für den Ernstfall oder drohten mit rechtlichen Schritten. Auf der Ebene der Lehre wurde versucht, antisemitische Narrative durch Argumentation zu entkräften oder antisemitisch auftretende Studierende vom Seminar auszuschließen. Manche Dozierende entwickelten sogar Notfallpläne und informierten Kolleg:innen und Studierende über mögliche Schutzmaßnahmen.

    Die Lage nichtjüdischer Dozent:innen

    Auch nichtjüdische Lehrende, die sich in ihrer Lehre und Forschung mit jüdischer Geschichte, jüdischen Themen oder dem Staat Israel befassen, sind mit Antisemitismus konfrontiert. Hierzu haben wir eine anonyme Umfrage unter nichtjüdischen Hochschullehrenden durchgeführt, an der sich 78 Personen beteiligt haben. Etwa ein Drittel von ihnen (32,1 %) haben aufgrund ihrer Forschungs- oder Lehrschwerpunkte Bedrohungen oder Belästigungen erfahren. Dazu gehören verbale Anfeindungen (72 %), Online-Bedrohungen (36 %), physische Bedrohungen (8 %) und Sachbeschädigungen (8 %). Als Reaktion auf diese Bedrohungen nahmen 9 % der Betroffenen spezielle Schutzmaßnahmen in Anspruch. 71,2 % der Befragten gaben zudem an, dass ihre Hochschule kein Sicherheitskonzept kommuniziert habe, während nur 12,3 % bestätigten, dass ein solches Konzept von ihrer Institution veröffentlicht wurde.

    Als Beispiele verbaler Beleidigung oder Belästigung sind Zwischenrufe und Störungen im Lehrablauf sowie Bemerkungen antisemitischen Inhalts zu nennen. So wurde eine Lehrperson bei einer Lesung zum Thema Antisemitismus mit dem Vorwurf konfrontiert, sie hätte „Blut an den Händen“. In einem anderen Seminar, das kein jüdisches Thema hatte, haben sich mehrere Studierende zeitgleich eine Kuffiyah umgelegt, was als eine gegen das Forschungsfeld der Dozierenden zu Israel und Antisemitismus und dessen Engagement gerichtete Provokation zu verstehen ist. Ein/e Mediziner/in musste sich während einer Operation von einer Pflegekraft anhören, Israel hätte weltweit die höchste Rate an Hautkrebs, weil die Jüdinnen und Juden als Weiße nicht in den Orient gehörten. Vorfälle im digitalen Raum sind beispielsweise Social-Media-Kampagnen, die darauf abzielen, Vortragsveranstaltungen zu sabotieren, oder Hassmails an die offizielle Hochschuladresse. 

    Während Fälle physischer Gewalt vergleichsweise selten sind, fühlen sich auch nichtjüdische Dozierende durch Sticker und Schmierereien antiisraelischen Inhalts herausgefordert. Eine Person fand in ihrem Postfach ein zerrissenes Magazin mit jüdischer Symbolik; der restliche Teil befand sich im Mülleimer. Antisemitismusforscher:innen wurden unter Druck gesetzt, „pro-palästinensische“ offene Briefe zu unterschreiben, und wurden aufgrund ihrer Haltung bei der Vergabe von Aufträgen nicht berücksichtigt.

    Berichtet wird ferner von Diskriminierung und überzogenen Unterstellungen im Kollegenkreis. Zum Beispiel wird die Empathiefähigkeit, fachliche Expertise und persönliche Integrität von Personen in Frage gestellt, oder es werden ihnen extreme Äußerungen zugesprochen (wie die Behauptung, alle Linken seien Antisemiten). Verstörend bis gefährlich sind Boykottaufrufe und Angriffe ad hominem, beispielsweise durch die Erwähnung in Listen „unsicherer Lehrender“, aber auch Provokationen seitens der Teilnehmer sogenannter palästinasolidarischer Camps wie das Zeigen des Tauhid-Fingers oder von Hamas-Symbolik.

    Der Umgang Betroffener mit antisemitischen Bedrohungen reicht von Rückzug, Schweigen und bewusstem Ignorieren der Vorfälle über den Versuch argumentativer Auseinandersetzung bis zu Meldungen an die Rechtsabteilung der Universität, die Polizei, RIAS oder die Antisemitismus-Stelle der jüdischen Gemeinde. In einigen Fällen führte dies zu verstärkten Sicherheitsmaßnahmen für Veranstaltungen oder sogar Polizeischutz für die Personen.

    Schlussfolgerungen zur Lage an Hochschulen

    Beide Umfragen zeigen ähnliche Muster von verbaler Gewalt, Beleidigungen und Bedrohungen im digitalen Raum und seltenen, aber gravierenden physischen Angriffen. Bei Letzteren sind Wiederholungstaten zu beobachten – ein Hinweis auf zielgerichtete Einschüchterung. Insgesamt findet dabei eine Täter-Opfer-Umkehr statt, bei der jüdische wie nichtjüdische Lehrende kollektiv in eine Täterrolle gedrängt werden. Hinzu kommt eine NS-verharmlosende bis verherrlichende Rhetorik, die sich in Ausrufen wie „vor 80 Jahren hätten wir dich vergast“ zeigt. Zur Einschüchterung wird symbolische Gewalt angewandt, d. h., die Angegriffenen sollen durch eindeutige Gesten, Symbole (rote Dreiecke 53, blutige Hände 54) oder Parolen wie („From the river to the sea“, „Yallah Intifada“, „Tod den Zionisten“ oder „Fuck Israel“) verunsichert werden.

    In beiden Umfragen wird eine weitgehende Untätigkeit der Institutionen deutlich. Insgesamt gaben um die 10 % der Befragten an, dass ihre Hochschule ein Sicherheitskonzept kommuniziert hätte; dagegen haben über 70 % angegeben, keinerlei Informationen zu Schutzmaßnahmen erhalten zu haben. Ähnlich verhält es sich mit der Auffassung von Antisemitismus an Hochschulen: Häufig fehlt eine für die Hochschule verbindliche Antisemitismusdefinition, oder sie wird den Hochschulangehörigen nicht kommuniziert. Dadurch entsteht eine Kluft zwischen den Erfahrungen der Betroffenen und der oft willkürlichen Bewertungspraxis diverser nichtjüdischer Akteur:innen an Hochschulen, die je nach persönlichem Ermessen und (fehlendem) Wissen entscheiden, ob ein Vorfall als antisemitisch einzustufen ist. Entsprechende Reaktionen der Hochschulen – etwa öffentliche Stellungnahmen, Verurteilungen oder Sanktionen bei antisemitischen Vorfällen – bleiben vielfach aus. Auch bei der Verbreitung antisemitischer Inhalte wird wiederholt nicht eingeschritten.

    Betroffene in beiden Gruppen berichten von erheblichen psychischen Belastungen: Angstzuständen, Schlafstörungen, sozialem Rückzug und dem Gefühl der Isolation. Zugleich äußern sie die Sehnsucht nach einem vertrauensvollen Umfeld, in dem das selbstverständliche Dasein als jüdischer (bzw. israelsolidarischer) Hochschulangehöriger möglich ist. Bei vielen zeigt sich eine grundlegende Verunsicherung – zugleich aber auch die klare Weigerung, sich auf eine reine Viktimisierung reduzieren zu lassen. Eine Person schildert, dass sie sich krankmelden musste, nachdem ein als Gefährder eingestufter Akteur sie identifiziert hatte. Manche vermeiden bewusst bestimmte Räume oder legen jüdische Symbole ab, um nicht sichtbar zu sein. Einige ziehen sich vollständig aus der Forschung zu Israel oder Antisemitismus zurück – aus Angst vor Reputationsverlust oder weiteren Angriffen. Andere, die das Gegenteil wählen, berichten von zunehmenden offenen oder unterschwelligen Konflikten. Dabei geht es nicht nur um persönliche Verletzungen, sondern auch um drohende Rufschädigung: Einzelnen wird unterstellt, sie missbrauchten ihre wissenschaftliche Rolle oder akademische Position für „zionistische“ Anliegen oder kompromittierten sich durch die Kooperation mit dem Staat Israel oder den IDF. Einige Mitglieder berichteten, dass ihre Lehraufträge zu den mit Judentum und Antisemitismus verbundenen Themen nicht verlängert bzw. sie gebeten wurden, den Titel der Veranstaltung so umzubenennen, dass die Begriffe „Juden“ oder „Antisemitismus“ nicht mehr enthalten sind. Viele Dozierende fühlen sich ausgeschlossen oder haben das Gefühl, „nicht erwünscht zu sein“. Es gibt mittlerweile einige, die wegen der Situation and der Hochschule den Arbeitsplatz wechseln mussten und eine Person, die nach Israel ausgewandert ist. 

    Heutzutage verfügen die meisten Hochschulen über Gleichstellungs- und/oder Antidiskriminierungsbeauftragte. Auch bei antisemitischen Vorfällen sind diese Personen, die meist keine explizite Antisemitismusexpertise besetzen, oftmals die ersten Adressaten. Nach ersten Erfahrungen mit solchen Ansprechpartner:innen berichten viele jüdische Studierende, dass sie diese Stellen meiden, stattdessen nach Safe Spaces suchen bzw. jüdische Dozierende kontaktieren. In der Folge gelangen zahlreiche Vorfälle und Verletzungen gar nicht oder nur stark gefiltert an die Hochschulleitung; oft werden sie ausschließlich vertraulich und anonym gegenüber jüdischen Lehrenden geschildert.

    Es liegt hier ein weiterer struktureller Mangel vor: die meisten Antisemitismusvorfälle bleiben ohne Konsequenz für die Urheber:innen oder Angreifer:innen. Profunde Kenntnisse sind notwendig, um Antisemitismus in seinen verschiedenen Erscheinungsformen – einschließlich des israelbezogenen Antisemitismus – zu erkennen und zu bewerten. Deswegen empfiehlt sich die Berufung spezialisierter Antisemitismusbeauftragter. 55 Diese müssen nicht notwendigerweise jüdisch sein, sollten aber das Vertrauen innerhalb der jüdischen Gemeinschaft genießen. Dass das nicht selbstverständlich ist, zeigen einzelne Beispiele aus Hochschulen oder der Landespolitik auf, bei denen wegen kontroversen und israelbezogenen Antisemitismus billigenden Positionierungen in der jüdischen Community in die Kritik geratene Beauftragte fungieren. Zudem haben sich vielfach Tendenzen beobachten lassen, dass Antidiskriminierungsbeauftragte dem Phänomenbereich Antisemitismus nicht gerecht werden. In diesem Zusammenhang tritt vor allem die Herausforderung hervor, Antisemitismus als spezifische Diskriminierungsform von anderen zu unterscheiden, dabei die Antisemitismuskritik nicht gegen Antirassismus auszuspielen und nicht eine Form der Konkurrenz marginalisierter Gruppen zu forcieren. 

    Zur Verbesserung der allgemeinen Lage ist eine größer angelegte Antisemitismus-Aufklärung vonnöten. Dazu gehören beispielsweise Schulungen für Lehramtsstudierende, Weiterbildungen für Beschäftigte an Universitätskliniken sowie für den akademischen Mittelbau.

    Wie lässt sich die Situation verbessern? Aktivitäten des Netzwerks Jüdischer Hochschullehrender (NJH)

    In erster Linie geht es im Netzwerk um die gegenseitige Unterstützung der jüdischen akademischen Community – mit eigenen Safe-Space-Räumen, Angeboten sowie der Stärkung jüdischer Identität und Selbstbewusstseins. Es finden Hebräischkurse statt sowie regelmäßige regionale Austauschrunden. Geplant ist das Projekt „MiLev zuLev“, in dem das traditionelle Judentum als Ressource für Krisenzeiten eingeführt und diskutiert wird.

    Zu den wichtigsten Erfolgen gehört die Vernetzung unter jüdischen Hochschulangehörigen im deutschsprachigen Raum über alle Disziplinen, geographische Grenzen, Trennlinien des Lebensalters, der akademischen Stellung, der Herkunft oder der Muttersprache hinweg. So sagt zum Beispiel ein aus Russland stammender Mathematikprofessor, er hätte noch nie so viele Juden getroffen, wie in den letzten zwei Jahren. Der unkomplizierte Zugang zu Netzwerkmitgliedern über gemeinsame Kommunikationskanäle eröffnet neue Perspektiven, erleichtert regionale und überregionale Aktivitäten, befördert den Austausch und stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl im Angesicht der unbehaglichen Lage.

    Wie oben dargestellt, mehren sich in den letzten Monaten Berichte über persönliche Angriffe gegen jüdische Wissenschaftler:innen sowie gegen Personen, die sich öffentlich gegen Antisemitismus positionieren. Eine Aufgabe des Netzwerks besteht darin, diesen Personen Unterstützung und Hilfe anzubieten und ihren Bedürfnissen nachzugehen.

    Durch regelmäßige Treffen mit Ministerien auf Landes- und Bundesebene sowie durch die Veröffentlichung von Artikeln und die Organisation von Veranstaltungen hat sich das Netzwerk zu einer wichtigen Stimme im Kampf gegen Antisemitismus und für das jüdische Leben an deutschen Hochschulen entwickelt. 56

    Auf Initiative der Jüdischen Studierendenunion Deutschland (JSUD) begann das Netzwerk, gemeinsam mit inzwischen über 90 jüdischen Vertrauensdozierenden an mehr als 30 Universitäten jüdische Anlaufstellen aufzubauen. Im Mittelpunkt steht dabei die unmittelbare Unterstützung jüdischer Studierender, Lehrender und Universitätsangehöriger.

    Die öffentlichkeitswirksame Tätigkeit des Netzwerks umfasst zahlreiche Artikel, offene Briefe, Interviews und Petitionen – in den Medien, in den sozialen Medien und auf der Internetseite. Darin weist das Netzwerk auf geplante oder vergangene antisemitische Aktivitäten im Hochschulbereich oder im kulturellen Sektor hin, äußert aber auch Solidarität und Unterstützung für mutiges zivilgesellschaftliches Handeln. Eine vom Netzwerk organisierte Online-Vortragsreihe mit namhaften Referenten zu verschiedenen Aspekten des Antisemitismus erlangt zunehmende Bekanntheit, auch über die jüdischen Hochschulkreise hinaus.

    Ein zentrales Vernetzungsprojekt ist „Shituf“ 57, eine Austauschplattform zwischen dem Netzwerk und den Antisemitismusbeauftragten der Hochschulen. Das Projekt „Shituf“ kooperiert mit dem Projekt KoNHAP – Kompetenznetzwerk Antisemitismusprävention an Hochschulen. Darüber hinaus vernetzt sich das NJH mit Organisationen wie der Hochschulrektorenkonferenz, dem Zentralrat der Juden in Deutschland, RIAS und dem Tikvah-Institut sowie mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in Israel und weltweit.

    Zur hochschulinternen Arbeit des Netzwerks gehört die Entwicklung von Handreichungen für Universitäten 58, die den Umgang mit antisemitischen Vorfällen unterstützen. Außerdem dokumentiert das Netzwerk seit dem 7. Oktober 2023 antisemitische Vorfälle durch Umfragen und das Sammeln persönlicher Berichte. Zu den jüngsten Aktivitäten gehört die Erarbeitung von Forderungen an die Hochschulen zur Sicherung jüdischen Lebens auf dem Campus, die der Verein als zentral erachtet. 59

    Herausforderung – Warum ist es so schwer, über Antisemitismus zu sprechen?

    Um die Kluft zwischen politischen Bekundungen und den Erfahrungen der Betroffenen – wie sie in empirischen Studien und den Berichten aus dem Netzwerk sichtbar wird – analytisch zu fassen, werden im Folgenden drei grundlegende Prämissen erläutert. Sie markieren zentrale Herausforderungen in der Auseinandersetzung mit Antisemitismus für Forschung, Praxis und Hochschulpolitik.

    1. Antisemitismusvorwurf und Antisemitismus ohne Antisemiten nach dem 7.10.2023

    Obwohl Antisemitismus ein jahrtausendaltes Phänomen ist, das im kollektiven Bewusstsein wie auch im Sprachgebrauch als „kommunikatives Gedächtnis“ fortlebt 60 und dessen Kontinuität kaum je unterbrochen wurde, wird in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg häufig angenommen, er sei überwunden. Antisemitismus wird oft als ‚zur Vergangenheit gehörend‘ betrachtet „und fast schon als nationalsozialistisches Gedankengut begriffen, von dem sich die meisten deutlich distanzieren wollen. Demzufolge werden die vielen Vorfälle nicht als ein ‚richtiger‘ Antisemitismus verstanden, den es im eigenen Umfeld nicht geben darf oder kann.“ 61

    Antisemitismus gilt historisch bedingt im deutschen Kontext als besonders schwerwiegender Vorwurf. Die Angst vor diesem Vorwurf ist oftmals größer als die Angst vor dem Antisemitismus selbst. 62 Im inneren Selbstgespräch mit dem Leitsatz „Ich bin kein Antisemit“ ist die Bereitschaft, dafür Begründungen zu suchen, deutlich größer als die Bereitschaft, sich gründlich mit den Mechanismen des Antisemitismus auseinanderzusetzen.

    Jegliche Unterstellung des gesellschaftlich geächteten Antisemitismus gilt als hochgradig stigmatisierende, nahezu übergreifende Kategorie und symbolisiert eine Nähe zum Nationalsozialismus, von der sich die allermeisten Menschen aus guten Gründen deutlich distanzieren. So entsteht ein Paradox: Es gibt zahlreiche Betroffene, aber kaum bekennende Antisemiten. Die Weigerung, Haltungen oder Handlungen als antisemitisch zu benennen, führt zu deren Verharmlosung und befördert vielfältige Arten der Bagatellisierungen und Relativierungen von Antisemitismus, wie beispielweise in der Forschung über Antisemitismus an Schulen festgestellt wurde. 63 Als gesellschaftlich geächtetes Phänomen sucht Antisemitismus nach Rechtfertigung und Legitimation. Das geschieht über Formeln wie „Ich habe nichts gegen Juden, aber Israel …“ – also als Ausdruck einer Umwegkommunikation – und Chiffren: Man spricht dann nicht von „Juden“, sondern von „Zionisten“, den „Rothschilds“ oder von „Eliten“, „Globalisten“ – und ähnlichen Ersatzbegriffen. 64

    Die zugrunde liegende Prämisse erhebt die Meinungsfreiheit zum höchsten Gut einer demokratischen Gesellschaft. Daraus leitet sich der Anspruch ab, jede im Anspruch, eine Meinung zu repräsentieren, geäußerte Positionierung zu respektieren und wertzuschätzen – andernfalls gilt man schnell als autoritär oder diskriminierend. Doch was geschieht, wenn diese Meinung antisemitisch ist? 65 Wer alte antisemitische Narrative im neuen Gewand verwendet, weist dies häufig entschieden von sich und fühlt sich missverstanden – „man meint es doch gut“. Dass es jedoch auf die Wirkung und nicht auf die Intention ankommt, erschwert die Kommunikation mit den Betroffenen. 66 Vor dem Hintergrund unterschiedlicher diskursiver Rahmenbedingungen zeigt sich, dass im gesellschaftlichen Diskurs über Rassismus häufig Räume eröffnet werden, in denen auch Angehörige der Mehrheitsgesellschaft über eigene Verstrickungen in die Kolonialgeschichte sowie über die Privilegien des Weißseins reflektieren und öffentlich Selbstkritik üben können. Mittlerweile gehören der Fokus auf die Betroffenenperspektive und die Auseinandersetzung mit tradierten kulturell-politischen Denkmustern der Mehrheitsgesellschaft zu den zentralen Elementen dieses Diskurses. Im Kontext von Antisemitismus hingegen werden jüdische Perspektiven häufig mit dem Hinweis auf ihre vermeintliche Subjektivität relativiert; es wird über sie gesprochen, statt mit ihnen. Zugleich fehlt vielfach die Bereitschaft, Antisemitismus als Bestandteil eigener Denkmuster oder des unmittelbaren sozialen Umfelds anzuerkennen. Im Unterschied zu anderen Diskriminierungsformen scheint jede Thematisierung von Antisemitismus einer Rechtfertigung zu bedürfen – der Frage, warum man „nur“ über Antisemitismus und nicht zugleich über Rassismus, Fremdenfeindlichkeit oder andere Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit spricht. 67

    Einerseits wird „Du Jude“ breit als Schimpfwort verwendet, andererseits wird die Verwendung zugleich vom Umfeld entschuldigt – als „nicht so gemeint“ oder „unbedacht“ – und damit in Schutz genommen. 68 Häufig werden paradoxerweise diejenigen als „Betroffene“ bezeichnet, die eines antisemitischen Verhaltens beschuldigt werden – während die tatsächlichen Betroffenen antisemitischer Gewalt aus dem Blick geraten. Die  Studie „Antisemitismus in der Gesamtgesellschaft von Nordrhein-Westfalen“ zeigt in diesem Zusammenhang, dass sich 2/3 der Bevölkerung um den Antisemitismusvorwurf Gedanken macht und es als „ungerecht“ empfindet, „wenn Menschen als „Antisemiten beschimpft werden“, und „35 % meinen, man solle solchen Personen „im Gespräch beistehen“. 69 Mehr als ein Drittel der Bevölkerung zeigt Verständnis für und deutet Engagement als Form einer entrückten Zivilcourage für jene an, die sich von einem Antisemitismusvorwurf betroffen gerieren – nicht jedoch gegenüber den tatsächlichen Betroffenen. Jüdinnen und Juden in Deutschland berichten dagegen von Enttäuschung über ausbleibende Solidarität und über das laute Schweigen nach dem 7. Oktober. 70 Statt Empathie und Solidarität nach dem 7. Oktober berichten viele jüdische Akteur:innen von einer Fremdwahrnehmung, die ihre jüdischen Identität und Persönlichkeit auf einen traumatisierten Opferstatus reduziert– oder vom Druck, zum Krieg in Gaza Stellung zu beziehen und politisch-ideologisch zu sprechen, statt biografisch. 71

    Obwohl jüngst 1700 Jahre jüdischer Präsenz in Deutschland gefeiert wurden, bleiben Jüdi:innen vielfach „domestizierte Fremde“ 72, über die man wenig weiß. Gerade beim Thema Antisemitismus herrschen häufig eklatante Wissenslücken über seine Formen und Mechanismen – zugleich aber eine spürbare Überdrüssigkeit, weil viele den Eindruck haben, es sei bereits „zu oft“ darüber gesprochen worden. 73 Monika Schwarz-Friesel hebt den in diesem Zusammenhang relevanten phantasmatisch-projektiven Gehalt des Antisemitismus hervor: „Antisemiten rekurrieren auf eine „gefühlte Wahrheit“, auf abstrakte Konzepte ohne empirische Erfahrungsbasis“. 74 Bezeichnenderweise sind antisemitische Angriffe oder Anschläge, ausgehend vom phantasmatisch-projektiven Judenbild, teils Anlass dafür, dass Wissenslücken über das Judentum deutlich hervortreten:  wurde „Jom Kippur“ in der Öffentlichkeit erst nach dem Anschlag von Halle 2019 stärker verwendet, und „Simchat Tora“ wurde vielen erst nach dem 7. Oktober 2023 ein Begriff.  75

    2. Abwehr und Schlussstrichmentalität als Nährboden für Antisemitismus nach dem 7.10.2023

    „Wie lange sollen wir noch leiden?“- fragte ein Mann aus dem Publikum nach dem Vortrag von Julia Bernstein über Antisemitimus, Bagatellisierung und Alltagsnutzung der Begriffe „Bis zum Vergasen“, „Arbeit mach frei“ und „Jedem das Seine“. 76 Es ist wichtig, festzuhalten, in welcher Tradition die diskursive Auseinandersetzung mit Antisemitismus in Deutschland – als Post-Shoah-Land – stattfindet. Dieser diskursive Raum ist bis heute häufig von Schweigen über eigene Verstrickungen und von Schamgefühlen – auch in nachfolgenden Generationen – geprägt. In der deutschen Erinnerungskultur haben sich ritualisierte Leerformeln der Ächtung des Antisemitismus herausgebildet, die als integraler Bestandteil von Entlastungs- und Aufwertungsprozessen der deutschen kollektiven Identität fungieren. Die Slogans „Nie wieder“ und „Wehret den Anfängen“ erscheinen dabei als leere Hülsen und nicht zu konkretem Handeln verpflichtende Lippenbekenntnisse, die entweder auf die Gedenktage am 9.11. und 27.1. reserviert werden oder beim für viele „plötzlich“ auftauchenden Antisemitismus reflexhaft ertönen. Sie werden außerdem bevorzugt von linken Gruppierungen für die Abwehr nationaler und vermeintlich rassistischer Tendenzen gebraucht, für die Antisemitismus nicht konstitutiv ist. Jüd:innen kommen in diesen Reden oft als traumatisierte Objekte oder in schwarz-weißen Bildern der Vergangenheit vor, als seltene, aufzubewahrende Überbleibsel. Fragt man hingegen junge Menschen, was die Geschichte mit ihnen persönlich zu tun hat, wird sie eher als Belastung empfunden. Eine Studie der Bertelsmann Stiftung (2022) zeigt, dass nur  35 % der Deutschendie Aussage bejahen, das deutsche Volk habe eine besondere Verantwortung gegenüber Juden. 77 Eine von Die ZEIT beauftragte repräsentative Onlinebefragung „Haltung der Deutschen zum Nationalsozialismus“ (2020) zeigt: 49 % stimmen (voll und ganz bzw. eher) der Aussage zu, dass man, „wann immer von den Verbrechen des Nationalsozialismus die Rede ist, Betroffenheit zeigen muss – und das nervt mich.“ 78 Diese Befragung entlarvt die Popularität der „Vogelschiss-These“ von Alexander Gauland und ähnlichen Ansichten, indem 43 % (voll und ganz bzw. eher) die Aussage bejahen, die „zwölf Jahre des Nationalsozialismus“ nähmen gemessen an der langen Geschichte des Landes „einen viel zu großen Stellenwert“ ein. Nur 3 % geben an, der Großteil ihrer Familie sei „Befürworter des Nationalsozialismus“ gewesen. 79 Die Studie Antisemitismus in der Gesamtgesellschaft von Nordrhein-Westfalen im Jahr (2024) stellt 47% Zustimmung zu einem „Schlussstrich“ unter die Vergangenheit des Holocaust fest. 80 Eine von der ZEIT beauftragte Policy-Matters-Umfrage (2025) zeigt, dass  55 % der Deutschen einen Schlussstrich unter die NS-Vergangenheit ziehen wollen, und 59 % glauben, dass die ständige Erinnerung an den Nationalsozialismus ein „gesundes Nationalbewusstsein“ verhindert. 81 Laut der MEMO-Studie (2025) 82 wünschen sich 38 % der Befragten, „einen Schlussstrich unter die NS-Vergangenheit zu ziehen“. 83 Eine mediale Auswertung verweist darauf, dass insbesondere jüngere Befragte diesen Wunsch häufiger äußern. In der Leipziger Autoritarismus-Studie (2024) geben 51,5 % an, sie seien der Meinung, es herrsche „keine Meinungsfreiheit, solange man sich nicht offen zum Holocaust äußern darf“. 84 Die Studie Antisemitismus in der Gesamtgesellschaft von Nordrhein-Westfalen im Jahr 2024 (2024) zeugt von einem ähnlich hohen Anteil: Rund 50 % der Befragten stimmen der Aussage zu, „es solle möglich sein, den Holocaust kritisch zu betrachten“. 85 Diese Befunde verdeutlichen, dass normative Selbstvergewisserungsformeln wie „Nie wieder“ zunehmend von Diskursen überlagert werden, die Zweifel säen, Relativierungen normalisieren und Verantwortung abwehren.

    Die Universalisierung des Leids setzt voraus, dass Leiden und Verbrechen primär allgemeinmenschliche Phänomene seien und daher universell vergleichbar. In dieser Logik ließe sich die Schoah gemeinsam mit kolonialen und anderen Gewalttaten verhandeln, damit sich „alle“ gleichermaßen angesprochen fühlen. Die Folge ist jedoch der Versuch, es allen zugleich recht zu machen: Es entsteht im besten Fall eine Kakophonie konkurrierender Opferperspektiven, in der das eigene Leid mit dem Leid der Jüdinnen und Juden während der Schoah in direkten Vergleich gesetzt wird. 86 Dabei wird die spezifische Thematisierung antisemitischer Gewalt nicht selten als ermüdend oder moralisierend abgewertet.

    Die seit einigen Jahren nahezu selbstverständliche antiisraelische Haltung als Bestandteil einer Mainstream-Position beruft sich auf den moralischen Anspruch von Gerechtigkeit und historischer Verantwortung: Aus Schuld- und Schamgefühlen heraus sehen sich viele veranlasst, sich demonstrativ auf die Seite der als unterdrückt wahrgenommenen Minderheiten – in dem Falle der Palästinenser – zu stellen. Dabei wird der Bruch mit vermeintlichen Tabus inszeniert, und die eigene Haltung wird als Akt des Widerstands sowie des Engagements „für die gute Sache“ verstanden. 87

    Tatsächlich haben viele nicht gelernt, über Antisemitismus als tabuisiertes Thema ohne starke Abwehrreaktionen zu sprechen und offen zu reflektieren. Entsprechend berichten insbesondere Akteur:innen im Bildungsbereich von Überforderung und Verunsicherung im Umgang mit Antisemitismus.

    3. Antisemitismus in gebildeten Schichten nach dem 7.10.2023

    Entgegen der weit verbreiteten Annahme, Antisemitismus sei vor allem an den gesellschaftlichen Rändern oder in sozioökonomisch schwächeren Milieus verankert und in gebildeten oder akademischen Schichten kaum präsent, zeigen sowohl historische Befunde als auch aktuelle Evidenzen das Gegenteil. Zahlreiche einflussreiche Intellektuelle und Wissenschaftler:innen – darunter Werner Sombart, Oswald Spengler, Gottlob Frege, Carl Schmitt und Martin Heidegger – verbanden hohe Bildung und intellektuelle Reputation mit deutlich antisemitischen Weltbildern und trugen auf unterschiedliche Weise zur kulturellen und ideologischen Legitimation des Antisemitismus bei. Während des Nationalsozialismus gehörten die Universitäten zu den ersten Institutionen, die jüdische Lehrende systematisch ausschlossen; viele ihrer nichtjüdischen Kolleg:innen setzten ihre akademischen Karrieren nach 1945 nahezu ungebrochen fort, während die entrechteten jüdischen Wissenschaftleri:innen in der Regel ihre Positionen nicht zurückerhielten. 88 Die meisten NS-Täter:innen wurden weder bestraft noch sanktioniert. Auch die vermeintliche Aufarbeitung, etwa im Zuge der 68-ger-Bewegung als Protest gegen die in den Nationalsozialismus verstrickte Elterngeneration oder im Zuge der bekenntnisförmigen deutschen Erinnerungskultur, ging mit kollektiver Schuldabwehr einher und bedeutete weder eine Sensibilisierung für die familiäre Verstrickung in die NS-Geschichte noch für (israelbezogenen) Antisemitismus oder genuin jüdische Perspektiven. 

    Die De-Thematisierung bzw. das Verschweigen der eigenen Verstrickung im Nationalsozialismus von Universitäten und zahlreicher weiterhin als prominent geltender Akademiker wurde zum integralen Teil mehrerer Fachtraditionen. 89 Diese historische Kontinuität verdeutlicht, dass Bildung und intellektuelle Reflexionsfähigkeit nicht vor antisemitischen Denkmustern schützen – ein Befund, den auch aktuelle Studien bestätigen. 90 Gerade die Orte, an denen Denken, Kritikfähigkeit und Selbstreflexion gelehrt werden sollen – Universitäten, Kunst- und Kultureinrichtungen – sind heute erneut zu Schauplätzen antisemitischer Narrative, Ausgrenzungen und Relativierungen geworden. Gebildete Menschen verfügen eher über die Kompetenz, soziale Erwünschtheit in Befragungen zu antizipieren und antisemitische Einstellungen zu legitimieren bzw. zu verschleiern. Diese als zivilisiert gekleidete Form des gebildeten Antisemitismus-Habitus beschreibt Zsolt Balkanyi-Guery zutreffend im schweizerischen Kontext als „höflich“, „diskret und scheinbar vernünftig“ „sachlich, aber durchdrungen vom alten Bedürfnis, jüdische Stimmen zu relativieren“. Er spricht von mentalen Strukturen „als moralische Selbstvergewisserung: korrekt, anständig, aber tödlich gleichgültig“.  91

    Eine internationale Studie von Brendan Nyhan et al. (2024) zeigt, dass ein höherer Bildungsgrad nicht zwangsläufig mit geringeren antisemitischen Einstellungen einhergeht – in mehreren Ländern wiesen hochgebildete Befragte sogar stärkere Zustimmung zu antisemitischen Stereotypen auf, wenn gesellschaftliche oder politische Gegenmechanismen fehlten. 92 Auch die Untersuchung von K. Lasson (2011) zeigt, dass Antisemitismus auch im akademischen Umfeld fortbesteht: Jüdische Perspektiven und Erfahrungen werden häufig strukturell marginalisiert – etwa durch Ignoranz gegenüber antisemitischen Vorfällen oder den Ausschluss jüdischer Anliegen aus Diskursen zu Diversität und Gleichstellung. 93

    Nach der Hochschulstudie von Hinz et al. berichten Studierende, die Antisemitismus an Hochschulen erlebt haben, dass 77 % der Vorfälle von Kommiliton:innen und 17 % von Lehrenden ausgehen; zudem geben Betroffene an, dass 12 % der Vorfälle von der Hochschulleitung und 4 % von der Verwaltung ausgehen. 94 Dabei korreliert das Vorhandensein pro-israelkritischer Gruppen auf dem Campus stark mit einer höheren Zahl antisemitischer Vorfälle. 95 Selbst aus der in Bezug auf Antisemitismusfragen methodisch umstrittenen Berliner Demonstrationsstudie (FU Berlin/DeZIM 2024) geht hervor, dass bei den propalästinensischen Großdemonstrationen vom 27. September 2024 rund 58 Prozent der Teilnehmenden über einen Hochschulabschluss und 6 Prozent über eine Promotion verfügten. 96 Jikeli und sein Team haben in der Studie „AntiIsrael Campus Groups: Online Networks & Narratives“ herausgearbeitet, dass auf dem Hochschulcampus zunehmend organisierte, pro-palästinensische Bewegungen als zentrale Knotenpunkte aktiv sind, u. a. Students for Justice in Palestine (SJP). 97 Es besteht eine starke Korrelation zwischen der Präsenz solcher Gruppen und der Häufigkeit antisemitischer Vorfälle auf dem Campus. Die Analyse zeigt, dass in den Online-Netzwerken dieser Gruppen Begriffe wie „Widerstand“ oder „Märtyrertod“ sowie Gewalt- und Tötungsbilder zunehmend normalisiert werden. 98 Fakultätsmitglieder, Graduate-Studentenvertretungen und mitunter jüdische anti-zionistische Gruppen fungieren als intellektuelle Legitimationsinstanzen für radikale Narrative.  

    Fazit 

    Wie auch in der Gesamtgesellschaft, hat der Antisemitismus im Hochschulkontext seit dem 7. Oktober 2023 in Häufigkeit, Intensität und gesellschaftlicher Sichtbarkeit deutlich zugenommen. Hochschulen spiegeln nicht nur gesamtgesellschaftliche Entwicklungen, sondern fungieren zunehmend als Resonanzräume antisemitischer Narrative, insbesondere in Form israelbezogener Feindbilder, die vielfach als „legitime Kritik“ getarnt werden. Die verbreitete Annahme, Bildung schütze vor antisemitischen Einstellungen, erweist sich als unzutreffend: Auch in akademischen Milieus reproduzieren sich tradierte antisemitische Denkmuster, oft in vermeintlich zivilisierter, diskursiv legitimierter Form. Darüber hinaus resoniert in Hochschulen eine Form eines aktivistischen Antisemitismus, d.h. eine Form, die aufgrund ihres politisch-doktrinären und aktivistisch-organisatorischen Charakters eine hervorgehobene Gefahr für jüdische Hochschulangehörige darstellt. 99

    Diese Konstellation führt zu einer besonderen Ambivalenz: Hochschulen verstehen sich als Orte von Aufklärung und Meinungsfreiheit, versagen aber häufig im Schutz jüdischer Mitglieder vor Diskriminierung und Gewalt.

    Die empirischen Befunde des Netzwerks Jüdischer Hochschullehrender belegen, dass sowohl jüdische als auch nichtjüdische Lehrende, die sich mit Antisemitismus oder Israel befassen, Anfeindungen, Bedrohungen und institutioneller Gleichgültigkeit ausgesetzt sind. Neben individuellen Traumatisierungen entstehen strukturelle Effekte – Schweigen, Rückzug, Selbstzensur –, die akademische Freiheit und wissenschaftliche Integrität gefährden.

    Das Netzwerk Jüdischer Hochschullehrender reagiert auf diese Entwicklungen mit einer doppelten Strategie: Es schafft Schutz- und Solidarräume für Betroffene und formuliert zugleich institutionelle Forderungen zur Prävention, Aufklärung und Professionalisierung im Umgang mit Antisemitismus. Um diese strukturellen Veränderungen zu etablieren, arbeitet das Netzwerk daran, das Bewusstsein und die Sensibilisierung für jüdisches Leben, die unterschiedlichen Definitionen von Antisemitismus (insbesondere den modernen israelbezogenen Antisemitismus) sowie die aktuelle Lage und entsprechende Gegenmaßnahmen an Hochschulen zu fördern und weiterzuentwickeln.

    Seine Arbeit verdeutlicht, dass Antisemitismus an Hochschulen nicht nur als individuelles Fehlverhalten, sondern als strukturelles und kulturelles Problem zu begreifen ist. Eine nachhaltige Veränderung erfordert institutionelle Verantwortung, klare normative Positionierung und eine fachspezifische Antisemitismusexpertise – erst dann können Hochschulen ihrem eigenen Anspruch als Orte der kritischen Reflexion und Humanität gerecht werden.


    1. Dieser Artikel erscheint auch in Susanne Krause-Hinrichs/Julius H. Schoeps (Hrsg.): Was tun? Wie in Deutschland Antisemitismus wirksam bekämpft werden kann, OLMS, Hildesheim (2026). ↩︎
    2. Zur Umwegkommunikation siehe Hoyer, 2025. Zur Kommunikationslatenz Beyer/Krumpal 2010. ↩︎
    3. „Exemplarisch dafür steht der Befund aus einer Befragung von Lehrkräften knapp ein Jahr nach dem 7.10.2023: „74 Prozent der Befragten stimmen eher nicht oder überhaupt nicht zu, wenn es um die Aussage geht, dass die Schüler:innen die Schicksale der Geiseln zum jetzigen Zeitpunkt beschäftigen würde.“ (Bildungsstätte Anne Frank 2024); Bernstein/Brehm,2025, S.11. ↩︎
    4. Siehe dazu Hinz et al., 2024. ↩︎
    5. Grünberg bei Bernstein/Brehm, 2025, S. 8. ↩︎
    6. Bernstein/Brehm, 2025.  ↩︎
    7. Combat Antisemitism Movement 2025a; Holocaust Remembrance Association, Jewish Agency Report, 2025. ↩︎
    8. Holocaust Remembrance Association, Jewish Agency Report, 2025; Anti-Defamation League, 2025. ↩︎
    9. Anti-Defamation League, 2024a.  ↩︎
    10. Anti-Defamation League, 2025; Reuters 2025. ↩︎
    11. Zentralrat der Juden in Deutschland, 2024.  ↩︎
    12. Tel Aviv University, 2025; Eichner, 2025.  ↩︎
    13. Bancevski, 2025. ↩︎
    14. Combat Antisemitism Movement, 2025b.  ↩︎
    15. Community Security Trust, 2025. ↩︎
    16. Bundesverband RIAS, 2025. ↩︎
    17. European Union Agency for Fundamental Rights, 2024. ↩︎
    18. Stub, 2025. ↩︎
    19. Unabhängiger Expertenkreis Antisemitismus, 2017, S. 6 f.  ↩︎
    20. Jüdische Studierendenunion Deutschland, 2025, S. 3 f. ↩︎
    21. Schmoll, 2025. ↩︎
    22. European Union Agency for Fundamental Rights (FRA), 2024 ↩︎
    23. American Jewish Committee (AJC) Germany, 2025. ↩︎
    24. Golany et al., 2025. ↩︎
    25. B’nai B’rith International et al., 2025. ↩︎
    26. Ebd. ↩︎
    27. Schmoll, 2025; B’nai B’rith International et al., 2025; Stroud, 2025. ↩︎
    28. Beyer et al., 2024; siehe auch Decker et al. 2024.  ↩︎
    29. Schmoll, 2025 ↩︎
    30. Hinz et al., 2025. ↩︎
    31. European Union Agency for fundamental Rights (FRA), 2024. ↩︎
    32. Siehe Beyer, 2015.  ↩︎
    33. Beyer et al., 2024. ↩︎
    34. Beyer et al., 2024 ↩︎
    35. Ebd. ↩︎
    36. Hinz et al., 2024. ↩︎
    37. Siehe: Stroud, 2025; B’nai B’rith International et al., 2025. ↩︎
    38. Hillel International, 2025. ↩︎
    39. AntiDefamation League, 2025. ↩︎
    40. Brown, 2025. ↩︎
    41.  Bundesverband RIAS, 2025. ↩︎
    42. Siehe Bundesverband RIAS, 2025; Hinz et al., 2025. ↩︎
    43. Golany et al., 2025. ↩︎
    44. Sasson et al., 2024. ↩︎
    45. AntiDefamation League, 2024b. ↩︎
    46. So plant beispielsweise Universität Genf (UNIGE) eine Kooperation mit der palästinensischen Al‑Quds University (Jerusalem) und gleichzeitig beendet sie Partnerschaften mit israelischen Universitäten. Siehe Menusier, 2025. ↩︎
    47. Matthews, 2025. ↩︎
    48. Golany et al., 2025. ↩︎
    49. Hinz et al., 2024. ↩︎
    50. Ebd., S. 10 ff. ↩︎
    51. Siehe exemplarisch: Culina 2025; Bernstein, 2025 ↩︎
    52. Netzwerk jüdischer Hochschullehrender (NJH), 2024. ↩︎
    53. Das rote Dreieck wurde von der Hamas am 7. Oktober 2023 als Markierungssymbol in Propagandavideos eingesetzt, um Ziele für Angriffe zu kennzeichnen. Es steht sinnbildlich für den eliminatorischen Charakter des Massakers, bei dem die Vernichtung jüdischer Zivilist:innen explizit als Ziel kommuniziert wurde. ↩︎
    54. Das Symbol der roten blutverschmierten Hände geht zurück auf ein Foto des Palästinensers Aziz Salha, der nach dem von ihm mitausgeübten Lynchmord an zwei israelischen Reservisten am 12. Oktober 2000 in Ramallah triumphierend grinsend mit blutverschmierten Händen am Fenster einer Polizeistation posierte. Dazu zum Beispiel Balke, 2025.  ↩︎
    55. Zu den gewünschten Schlüsselqualifikationen: Netzwerk jüdischer Hochschullehrender (NJH), 2025a. ↩︎
    56. Netzwerk jüdischer Hochschullehrender (NJH), 2025b. ↩︎
    57. Netzwerk jüdischer Hochschullehrender (NJH), 2025c. ↩︎
    58. Netzwerk jüdischer Hochschullehrender (NJH), 2025d. ↩︎
    59. Netzwerk jüdischer Hochschullehrender (NJH), 2025e. ↩︎
    60. Schwarz-Friesel, 2020, S. 173. ↩︎
    61. Bernstein, 2021. ↩︎
    62. Bernstein, 2020a. ↩︎
    63. Ebd.  ↩︎
    64. Siehe Schwarz-Friesel, 2020; Bernstein/Brehm, 2025. ↩︎
    65. Bernstein, 2021. ↩︎
    66. Bernstein, 2020a. ↩︎
    67. Zum Unterschied zwischen Rassismus und Antisemitismus siehe Bernstein, 2020a. ↩︎
    68. Bernstein, 2020a. ↩︎
    69. Beyer et al., 2024, S. 5. ↩︎
    70. Bernstein, 2020a; Bernstein/Diddens, 2025; Bernstein/Brehm, 2025. ↩︎
    71. Bernstein/Brehm, 2025. ↩︎
    72. Bernstein, 2024. ↩︎
    73. Bernstein, 2020a. ↩︎
    74. Schwarz-Friesel, 2020, S. 182. ↩︎
    75. Bernstein, 2024. ↩︎
    76. Bernstein, 2020b.   ↩︎
    77. Bertelsmann Stiftung, 2022. ↩︎
    78. Die Zeit/policy matters, 2020. ↩︎
    79. Die Zeit/policy matters, 2020, S.40.  ↩︎
    80. Beyer et al., 2024. ↩︎
    81. Staas, 2025. ↩︎
    82.  EVZ/IKG, 2025. ↩︎
    83. EVZ/IKG, 2025. ↩︎
    84. Decker et al., 2024. ↩︎
    85. Beyer et al., 2024. ↩︎
    86. Bernstein, 2021. ↩︎
    87. Bernstein, 2021. ↩︎
    88. Diddens, 2022. ↩︎
    89. Siehe etwa Diddens, 2024. ↩︎
    90. Dazu Schwarz-Friesel/Reinharz, 2013; Beyer et al., 2024; Sosada, 2025.  ↩︎
    91. Balkanyi-Guery, 2025. ↩︎
    92. Nyhan et al., 2024. ↩︎
    93. Lasson, 2011. ↩︎
    94. Hinz et al., 2024, S. 21.  ↩︎
    95.  Jikeli/Miehling, 2025. ↩︎
    96. Wagner, 2025. ↩︎
    97. Jikeli/Miehling, 2025. ↩︎
    98. Ebd.  ↩︎
    99. Siehe Jikeli 2015; Gruber 2025.  ↩︎

    Literaturverzeichnis

    American Jewish Committee (AJC) Germany (2025) Lagebericht Antisemitismus in Deutschland.
    URL: www.ajcgermany.org/system/files/document/Lagebericht_digital.pdf [Stand 31.10.2025].

    Anti-Defamation League (ADL) (2024a): Audit of Antisemitic Incidents 2023. URL: www.adl.org/audit-antisemitic-incidents [Stand 31.10.2025]. 

    Anti-Defamation League (ADL) (2024b): Significant Increase in Campus Anti-Israel Activity Marked by Support for Terror and Incidents Targeting Jewish Students, ADL Report Finds.URL: www.adl.org/resources/press-release/significant-increase-campus-anti-israel-activity-marked-support-terror-and [Stand 31.10.2025].

    Anti-Defamation League (ADL) (2025) Audit of Antisemitic Incidents 2024. URL: www.cogress.gov/119/meeting/house/118469/documents/HHRG-119-ED00-20250715-SD005.pdf  [Stand 31.10.2025].

    Balkanyi-Guery, Zsolt (2025) Antisemitismus der Anständigen. Judenhass in der Schweiz ist brandgefährlich, weil er so höflich und diskret daherkommt. In: Jüdische Allgemeine, 27. Oktober 2025. URL: www.juedische-allgemeine.de/meinung/antisemitismus-der-anstaendigen/ [Stand 31.10.2025].

    Balke Ralf (2025) Horror der roten Hände 12.10.2025 URL: www.hagalil.com/2025/10/der-horror-der-roten-haende/ Stand 31.10.2025].

    Bancevski, Bojan (2025) Nearly Half of Adults Worldwide Hold Antisemitic Views, Survey Finds. URL: www.wsj.com/world/nearly-half-of-adults-worldwide-hold-antisemitic-views-survey-finds-574a1766  [Stand 31.10.2025].

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